Begleitend zum Medienkunstfestival Schmiede Hallein, stellt der Tennengauer Kunstkreis, nun schon seit mehreren Jahren, die Ausstellungsräume des kunstraum pro arte für Künstlerinnen und Künstler aus dem “SmithNetzwerk” zur Verfügung.

Passend zum Thema No Plan wird Johannes Löberbauer (Giovi) in diesem Jahr einen Querschnitt aus seinem reichhaltigen Œuvre präsentieren. Auf den ersten Blick ohne Plan, aber bei genauem Hinsehen zeigt sich in den Arbeiten eine sehr genaue Beobachtung der Natur und ihrer Strukturen sowie eine durchdachte Anordnung dieser. Es entstehen Wechselspiele von Zerstörung und Erschaffung, immer in starkem Bezug zu den natürlichen Eigenheiten der Materialien. Ausgehend von den Ansätzen der klassischen Malerei bearbeitet der Künstler die Leinwände mit Gips und Chrom-Spraydosen und schafft dadurch starke Bewegungen und aufregende Ornamentmuster. Die Arbeiten des Künstlers spiegeln seine Erinnerungen wider und zeugen vom Verloren-Gehen und Wieder-Finden. Es sind Erinnerungen an die Heimat im Almtal und die Erhabenheit des Toten Gebirges.

Ausgehend von einer grundlegenden Auseinandersetzung mit Widerstand, Zweifel, Verlust, Tod und dem Leben an sich beginnt auch ein monatelanger Weg durch die Steinwüsten des Toten Gebirges – gesäumt von der Faszination einer Urgewalt und den greifbaren Überresten jahrtausendealter Geschichte. Mit dem inneren Drang, den eigenen aber noch unbekannten Weg durch die Irrungen verlassene Gebiete zu finden, beginnt auch diese Arbeit. Es ist eine Geschichte über das Verloren-Gehen und Wieder-Finden: Die Beschäftigung mit dem Gebirge ähnelt oft der Beschäftigung mit dem Tod. Ein Gedanke, aus dem wohl auch die ungebrochene Inspiration des Toten Gebirges schöpft.
Das Greifbar-machen von Erinnerung führt Giovi mit dieser Arbeit weg von gewohnten Arbeitsweisen, Materialien oder Techniken. Klassische Malerei ergänzt sich mit den Instrumenten Chrom-Spraydosen, Ornamentmuster und Gips. Der Künstler durchlebt während des jahrelangen Schaffungsprozesses auch einen Lernprozess. Ein Finden eben jenes Weges, der sinngemäß diesen Werken ihr Fundament gibt. Soviel zur Aufgabe einer Flucht, einem bewussten Vergessen von Pfaden der Vergangenheit, hin zum Erinnern der Windungen des eigenen Lebenspfades. „Geradeaus kann man nicht sehr weit gehen“, sagte auch bereits ein sehr bekannter Kleiner Prinz.

Die Werke Giovis spiegeln die Bandbreite seiner Erinnerung wider: Nebel wie Rauch überzieht schroffe Steilwände. Schmale Grade bahnen sich ihren Weg durch einen metaphorischen Spiegel, der Szenen der Reise in seinen goldenen Reflexionen birgt. Beinahe ikonenhaft erhebt sich der Zwölferkogel, dessen Höhen sich wie ein inneres Echo tief unten im Almtal spiegeln. So entfaltet sich  einin Spektrum, dessen nähere Betrachtung nicht nur ein Abbild des Streifzugs eines Künstlers darstellt, sondern schlussendlich sich auch als Spiegel an den Betrachter wendet. Die Arbeiten um TOTES GEBIRGE sind nicht nur die Fragmente aus der Erinnerung eines Wanderers, sondern lassen auch Freiraum zum Verweilen, zum Mit-Wandern und Mit-Sehen. Und vielleicht auch zum Aufgeben der eigenen Irrungen auf den Wegen der Vergangenheit.

Romana Stücklschweiger

 

Eröffnung
Mittwoch 29. September 2018, 19:30 Uhr

Zur Ausstellung spricht
Kerstin Klimmer-Kettner, Leiterin kunstraum pro arte

Veranstaltungen

Montag 03. September, 19:15 Uhr
ArtistTalk

Dienstag 04. September, 18:00 Uhr
Führung durch die Schmiede18
Treffpunkt: Alte Saline, Pernerinsel

Dauer der Ausstellung: 30. August bis 06. Oktober 2018

 

 

kunstraum pro arte · Schöndorferplatz 5 · A-5400 Hallein