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Der Klang der Sterne  Maria Peters

Der Klang der Sterne
Maria Peters

DER KLANG DER STERNE

Lost to regain – Episode 4

Das Leben der Maria Wolkonskaja

Wie hören sich die Sterne an?

Kann der Klang der Sterne erspürt werden?

Der poetische Titel der Ausstellung von Maria Peters legt eine Fährte in das vielschichtige Universum, das die Künstlerin in ihrem mehrjährigen Projektzyklus Lost to regain entfaltet, in dem sie Fragen nach dem Menschsein und der Überschreitung des Menschseins durch die Verbindung mit Maschinen sowie den Gefahren einer technischen Optimierung des Menschen nachgeht.

Die Hauptprotagonistin der vielschichtigen Erzählung ist Maria Peters‘ Alter Ego Marie/Nachfolgerin 08 – sie kann auf Grund eines Zaubers nicht nur in die Vergangenheit, sondern auch in die Zukunft der Menschheit blicken, in der genetisch optimierte Menschen den Ton angeben. Marie/Nachfolgerin 08 ist die Schnittstelle durch welche das Publikum in die Erzählung eintreten kann.

Marie/Nachfolgerin 08: „Auf einer Wanderung durch Ost-Deutschland im Sommer 2016 geriet ich in eine Zeitanomalie, dabei sah ich die Vergangenheit und die Zukunft von meinem damaligen Standort aus. Der Zeitraum den ich sah, reichte vom 19. Jahrhundert bis ins Jahr 3968. Meine Vision zeigte mir die Lebensgeschichten von 24 Frauenfiguren, die über diesen Zeitraum nacheinander lebten und deren Schicksale zudem miteinander verwoben sind. (…) Ich selbst bin Marie/Nachfolgerin 08 und habe beschlossen, die Lebensgeschichten all dieser Figuren für die Nachwelt niederzuschreiben. Denn was ich in der Zukunft sah, war erschreckend. Doch die Zukunft läuft nicht einfach ab. Die Möglichkeiten sind zwar durch die Vergangenheit bereits geprägt, aber doch es liegt an uns, für welche der Möglichkeitslinien wir heute die Weichen stellen.“

Der Zyklus Lost to regain wird in Episoden (ähnlich einem Fortsetzungsroman oder einer TV-Serie) erzählt. In der Ausstellung im kunstraum pro arte wird diesmal die Lebensgeschichte der Maria Wolkonskaja, der zentralen Protagonistin dieses Zyklus, inszeniert:

Im 19. Jahrhundert erhielt Maria Wolkonskaja, die ihrem Mann nach Sibirien in die Verbannung gefolgt war, von einem Schamanen der Nomaden einen besonderen Zauber. Durch diesen sollte sie bei ihrem Tod in einer nächsten Person weiterleben können und derart also unsterblich werden. Bei ihrem Ableben jedoch stellte sich heraus, dass nicht sie in ihrer Nachfolgerin weiterlebte, sondern nur ihre Erinnerungen wurden vererbt. Dieser Zauber, einmal in Gang gesetzt, ist nie mehr zu stoppen. Alle weiteren Protagonistinnen der Geschichte sind somit Nachfolgerinnen von Maria Wolkonskaja. Die geerbten Erinnerungen wachsen demnach mit jeder neuen Übertragung an, sie überlagern sich mit der jeweiligen Gegenwart der Nachfolgerinnen.

Die Erzählung der Wolkonskaja und ihrer besonderen Beziehung zum Lied „Stille Nacht“ wird im kunstraum pro arte in Form von Bildern, Grafiken, Videoarbeiten und Wandtexten erzählt und durch Kommentare von weiteren Protagonist_innen der Erzählung aus dem Jahr 3676 ergänzt:

Lieke/Nachfolgerin 22 – die bereits mit den vielen ihr inzwischen vererbten Erinnerungen und Gegenständen ringt.

Gemeinschaft – ein Geheimbund, der seit den 1930iger Jahren versucht, die eigenen Eugenik- und Klonexperimente mit Hilfe der Nachfolgerinnen und ihrem Zauber zu verbessern.

Netzwerk – eine künstliche Intelligenz, geschaffen in unserer Gegenwart zur Erhöhung unserer Bequemlichkeit und zur Verbesserung des Lebens insgesamt.“

Das Projekt Lost to regain lässt dabei auch an Warnungen anklingen die unter anderem von Stephen Hawking oder auch Achille Mbembe jüngst ähnlich formuliert wurden, aber es öffnet ebenso einen Denkraum in Richtung utopischer Cyborgs, wie diese unter anderem von Donna Haraway in ihrem Cyborg Manifest bereits Mitte der 80er-Jahre imaginiert wurden.

Stephen Hawking

„Aber einige Forscher werden der Versuchung nicht widerstehen können, die menschlichen Fähigkeiten zu verbessern, etwa das Gedächtnis, die Krankheitsresistenz und die Lebenserwartung. Sobald die ersten Musterexemplare dieser ‚Übermenschen‘ auftauchen, wird es erhebliche politische Probleme mit den Menschen geben, die nicht verändert und nicht verbessert sind und folglich nicht mehr konkurrenzfähig sein werden. Sie werden vermutlich aussterben oder zur Bedeutungslosigkeit verurteilt sein. Ein Geschlecht von Lebewesen wird den Ton angeben, das sich selbst designt und sich in immer rascherem Tempo optimiert.“  (Stephen Hawking, Kurze Antworten auf große Fragen, 2018)

Achille Mbembe

„Es ist auch keineswegs ausgeschlossen, dass man an einen Punkt gelangt, an dem man der Medizin nicht mehr nur die Rolle zuweist, den von Krankheit zerrütteten Organismus zu einem Normalzustand zurückzuführen, sondern auf der Grundlage molekularbiologischer Techniken das Leben selbst nach rassischen Kriterien umzugestalten. Rasse und Rassismus haben also nicht nur eine Vergangenheit. Sie haben auch eine Zukunft, vor allem innerhalb eines Kontextes, in dem die Möglichkeit, Lebewesen zu verändern und Mutationen zu erzeugen, keine Science-Fiction mehr ist.“ (Achille Mbembe, Kritik der schwarzen Vernunft, 2018 [2017])

Donna Haraway

„Ich plädiere dafür, die Cyborg als eine Fiktion anzusehen, an der sich die Beschaffenheit unserer heutigen gesellschaftlichen und körperlichen Realität ablesen lässt. Sie sollte aber auch als eine imaginäre Ressource betrachtet werden, die uns einträgliche Verbindungen eröffnen kann. Die Biopolitik Foucaults ist nur eine schwache Vorahnung des viel weiteren Feldes der Cyborg-Politik.“ (Donna Haraway, Ein Manifest für Cyborgs, 1995 [1985])

 

Eröffnung  am Donnerstag 08. November, 19:30 Uhr  durch Heinrich Schellhorn, Landeshauptmannstellvertreter
Zur Ausstellung spricht Peter Husty, Chefkurator Salzburg Museum

Dauer der Ausstellung: 09. November bis 22. Dezember 2018

Veranstaltungen

Fr 09. November, 19:00 Uhr

Ohne Positiv (Halleiner Fassung), Performance

kozek hörlonski

Wurde 1818 Stille Nacht ursprünglich ohne Positiv gespielt und komponiert, weil ein solches schlichtweg nicht vorhanden war, so verfasste Franz Xaver Gruber am 12. Dezember 1836 eine Version mit Orgelbegleitung. Diese so genannte Halleiner Fassung spielte er von nun an jährlich am 24. Dezember. Thomas Hörl und Peter Kozek suchen in ihrer neuesten Performance nach dem verbliebenen Negativ und tragen wie einst die Schöpfer dieses weltberühmten Liedes die Performance zweistimmig vor.

 

„Ohne Positiv“ (Halleiner Fassung), moodboard, Bildrecht Wien, 2018

 

Sa 10. November, 11:00 Uhr

KünstlerInnengespräch mit Croissants & Kaffee

Bei Croissants & Kaffee gibt die Künstlerin Maria Peters im Gespräch mit Kerstin Klimmer-Ketter tiefere Einblicke in die Ausstellung „DER KLANG DER STERNE. Lost to regain – Episode 4. Die Geschichte der Maria Wolkonskaja“.

Maria Peters, Foto: Dr. Gunter Bakay

 

 

Ein Ausstellungsprojekt mit der Unterstützung der Stille Nacht 2018 GmbH

 

kunstraum pro arte · Schöndorferplatz 5 · A-5400 Hallein