tet

Archiv: Künstler_innen

ARTIST-STaTEMENT zur Ausstellung „Entropie Supplement Sufferfest. Hobbies, Körper, Bildmaschinen.
Joseph Beuys behauptete einst dass jeder Mensch ein Künstler sei. Diese Aussage mag vor dem historischen Hintergrund der Aufbau- und „Wirtschaftwunderjahre“ der 1960er und 1970er Jahre
plausibel klingen, mutet aber in der heutigen Zeit doch etwas naiv an. In diesen Jahren damals, als sich die Menschen des damaligen „Westens“ gemütlich in ihrem kleinen neuen Wohlstand
innerhalb ihrer eigenen vier Wände einrichteten, wurde es den Künstler:innen zu langweilig, sie wollten die Gesellschaft provozieren, die im gemütlichen Bürger schlummernde kreative Kraft
wecken, die menschliche Kreativität von den alten politischen Fesseln befreien. Nicht im scheinbar Privaten fand die Politik damals statt, sondern irgendwo da draußen der Welt
und der eigene Körper, besonders derjenige des Mannes, blieb oft unhinterfragt im satten und  zufriedenen Selbstgefallen der häuslichen Gemütlichkeit sitzen.
Doch einiges hat sich geändert seitdem, Beuys´Prophezeiung dass jeder Mensch ein Künstler sei ist eingetreten, jedoch eher auf eine unheimliche, bedrohlich-dystopische Art:
Ausgehend von den ästhetischen Körperdiskursen der Mode- und Musikkultur der 1990er Jahre, über das Aufkommen von Social Media in den Nuller- und 2010er Jahren, verschob sich das
Politische von weit draußen in der Welt hinein in das Innere unserer Körper. Vielmehr ist unser Selbst, sowie auch unser Körper, oder besser Bilder von unseren scheinbaren Körpern zu
Bestandteilen und Pararmetern globaler Bildmaschinen geworden.
Wir konsumieren Bilder von Körpern und wollen als Individuen angenommen und akzeptiert werden, so versuchen wir unsere Körper möglichst gut an diese Bilddiskurse anzupassen um davon
wieder Bilder in den Umlauf zu bringen. Wir sind kreative Bildproduzenten des Alltags geworden, aber versklavter denn je. Die Serotonin- und Dopaminproduktion unserer Körper sowie unsere
Emotionen werden geregelt von den Feedbacks der Bildmaschinen durch Likes, Herzen und Kudos. Wie immer auch diese Einheiten benannt sind, sie interagieren direkt über unseren Blick mit
unserem Hormonsystem. Hier wirkt Social media direkt parasitär auf uns ein, wir sind ihre Körper. In dieses System eingehängt finden uns auch viele Produkte für die gesundheitlich-sportlichästhetische Optimierung unseres Körpers, Supplemente, Whey-Proteine, Lycra-Sportbekleidung und diverse Gerätschaften wie Vagusnerv- Stimulatoren, Fitnessuhren, Schlaftracker und Leistungsmesser für Brust, Arme und Beine. Rennräder die aussehen wie Apple-Rechner, rasierte Beine, enge Leggins zeigen „Camel toes“ von Sportlerinnen auf Instagram, wo sich diese Plattform doch durch sein „Nacktheits-Verbot“ so prüde gibt.
Das besonders fiese dabei ist: Wir starten ja oft und tatsächlich mit einer ganz eigen empfundenen Leidenschaft für etwas – ein neues Hobby zum Beispiel. Viele finden in dieser ganz neuen und
intimen Leidenschaft weit weg von den Anforderungen und Ansprüchen der Welt einen Ort des ganz persönlichen und intimen Geborgenen. Doch bei einem wie so oft – zu gering ausgeprägtem
Selbstbewusstsein geraten so manche Menschen auf ihrer der Suche nach Gleichgesinnten in den parasitären Sog der Bildmaschinen, ein permanent-sich-vergleichen-müssen, das Entdecken von
Regeln wie das Hobby und bei dessen Ausübung auszusehen habe, kann zu einem Ausbrennen dieser Leidenschaft führen, was sehr schade ist. Also das Motto lautet: Just do it, feel it und schau
nicht zu oft auf Instagram was die anderen so treiben dann bleibt Motivation und Spaß an der Sache groß und um wieder auf den guten alten Joseph Beuys zu kommen: Auch Künstler sollten nicht nur Künstler sein, sondern sind einfach Menschen mit einem großen Hobby, denn ohne eine ganz grundlegende Begeisterung und Leidenschaft ziehst du diesen Job nicht lange durch.

Ana Čavić

Ana Cavic  zeigte ihre Werke im Herbst 2025 in der dem grafischen Medium gewidmeten Ausstellung   „Grenzen“.

Artist statement

Ana Čavić’s papercut poetry series Garden of Lost Things offers mythopoetic re-interpretations of scenes from myths, folk tales, fairy tales, fables and legends. These fantastical visual narratives, in which artist re-imagines visual poetics by using a vocabulary of symbols, reflect our enduring fascination with supernatural phenomena: visions from the edges of reality that continue to capture our imaginations in the form of folk beliefs, stories, rituals and superstitions. The artist makes the papercuts by cutting into a folded piece of paper “blindly” to produce an intuitive “drawing with scissors” that is only revealed once the paper is unfolded.

www.andrealueth.at

Andrea Lüth zeigt ihre Arbeiten im Herbst 2025 in der dem grafischen Medium gewidmeten Ausstellung  „Grenzen“.

Artist Statement 

 

„Ich male ein Bild, dann baue ich eine Skulptur. Gestern Früh habe ich gezeichnet, heute tu ich nichts. Ich werde etwas kochen, am Abend
vielleicht ein Bier. Ich zeichne ein Bild, dann male ich eine Skulptur, ich baue ein Bier, ich koche ein Daheim, ich nichtse in der Früh, ich vielleichte
am Abend.“
Andrea Lüth

 

Den Zweifel am Zweifel bezweifeln. Zehn zweifelhafte Thesen zum Werk Andrea Lüths […]
4. Andrea Lüths so schnell aufblitzende wie hingeworfene Gedankenfragmente verrätseln, weil, sowohl mal- und zeichentechnisch als auch gedanklich, die Beziehung zwischen Hintergrund und Vordergrund unklar bleibt. […] So verströmen fast alle Bilder eine Atmosphäre eines Geistesblitzes oder zumindest originellen Einfalls, die durch die künstlerische Ausführung danach wieder in Frage gestellt werden, weil das Gewicht der Formtradition, der Avantgarde, ja kurz: das Gewicht der Kunst zu schwer wiegt, um dem lockeren Einfall zu entsprechen.
5. Das Schöne daran scheint mir die Melancholie, die selbst aus den witzigsten, ins Groteske, Halbfertige oder in den Slapstick spielenden Werken spricht. Der „Genius“ taucht kurz auf, als Einfall eben, dämonisch – doch da! die Mittel „gehen nicht mehr“ und sind als solche nur noch zu
Kommentaren auf die Kunstgeschichte gut. Lüth zweifelt nicht nur am Zweifel, sondern am Zweifel am Zweifel.

Thomas Raab, Schriftsteller, September 2021, zitiert in Auszügen

Ekaterina Shapiro-Obermair (1980, Moskau) ist bildende Künstlerin, Forscherin und Kuratorin. Studium der Malerei und Bildhauerei in Nürnberg, Berlin und Wien (1999–2009). Doktorat an der AdbK Wien (2022). Lebt und arbeitet in Wien. Preise: 2017 Theodor Körner Preis; 2015 Preis der Stadt Innsbruck, 35. Österr. Grafikwettbewerb, Chimera Art Award; 2014 Stipendium der Pollock-Krasner Foundation. Zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland.

www.ekaterina-shapiro-obermairo.org

Ekatarina Shapiro-Obermair präsentierte im Sommer 2025 gemeinsam mit  Miriam Bajtytala die. Ausstellung „im Feld“

 

www.iris-christine-aue.com

Artist statement 

Ich fertige sorgfältig Zeichnungen an, schneide sie aus und nähe oder klebe sie zu einem Bild zusammen. Bei der Arbeit „tägliche Übung“ strecken sich die Personen gegen die einschränkende Linie, dehnen und verschieben sie. So wie wir im Alltag immer wieder an Grenzen stoßen und sie erweitern.
Das mit goldenem Garn zusammengenähte Herz „Kintsugi“ – betitelt nach der gleichnamigen japanischen Technik – hebt die Grenzen sogar hervor und betont sie. Für mich erzählen sichtbare Narben vom Leben und machen einen erst zudem, der man ist.
„Zusammenhalten III und IV“ zeigen Griffe aus der Akrobatik. Das Besondere ist, dass gegenseitig zugepackt und festgehalten wird. Bei diesen Griffen packen die Partner alle beide zu, geben sich gegenseitig Halt und müssen zum richtigen Zeitpunkt loslassen. Das erfordert das Zulassen von Nähe, aber auch Respekt vor den Grenzen des anderen.

Iris Christine Aue zeigte ihre Werke im Herbst 2025 in der dem grafischen Medium gewidmeten Ausstellung „Grenzen“.

www.davidweikert.de  

David Weikert zeigte seine Arbeiten im Herbst 2025 in der dem grafischen Medium gewidmeten Ausstellung „Grenzen“.

Künstlerstatement

In unterschiedlichen Medien beschäftige ich mich mit Found Footage, z. B. in eigener fotografischer Dokumentation von Straßengraffitti und dreidimensionalen Collagen aus Dias, gefunden bei Entrümpelungen und in Secondhandläden. Es interessiert mich das Spannungsverhältnis zwischen dem Wiedererkennen des eigenen Erlebens in den Subjekten gefundener Schnappschüsse und dem Wissen, dass es sich bei diesen Assoziationen um eine Fiktion handelt. Scheinbare Nähe wechselt sich ab mit Erfindung. Durch Auswahl und Neuzusammenstellung des Materials versuche ich Dinge zusammenzubringen, die eigentlich getrennt sind: Menschen in Fotos aus verschiedenen Quellen, die sich wohl nie begegnet sind, interagieren nun miteinander. Das Narrativ, das durch die Collage entsteht, bezieht wiederum den Betrachter mit ein. Ich habe mich bei „A Whole Lotta Holes“ bewusst für sehr flache, reduzierte Zeichnung als Inzenierung des gefundenen Materials entschieden. Das „Flache“ tritt quasi in den Dialog mit dem Medium Papier und dem Raum des Betrachters

Viktoria Tremmel (*1972, Lauterach) studierte Bildhauerei bei B. Gironcoli an der Akademie der bildenden Künste Wien und K. Sieverding an der UdK Berlin, danach Master of Fine Arts am Goldsmith College in London. Sie erhielt zahlreiche Aufenthaltsstipendien, Residencies und Preise, darunter den Outstanding Artist Award des BMUKK. Staatsstipendium für bildende Kunst. Formale Weiterentwicklung skulpturaler Ideen in den Medien Zeichnung, Video und Malerei mit den thematischen Schwerpunkten psychischer Extremzustände, sozialer Randlagen und politischer wie feministischer Gerechtigkeit. Seit 2001 zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland, darunter im Leopold Museum Wien, Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis in Bregenz, der Experimental Video Art Exhibition in Bangkok, der Galerie Prisma in Bozen oder im Salzburger Kunstverein, Frauenmuseum Hittisau, Volkskundemuseum Wien, Landesmuseum Bregenz, Xhibit Gemäldegalerie,    Künstlerbücher und Kataloge, u.a. mit Texten von Elisabeth von Samsonow, Andreas Spiegl, Patricia Grzonka, Christa Benzer und Kurt Kladler

www.viktoriatremmel.com

Viktoria Tremmel zeigte ihre Werke im Herbst 2025 in der dem grafischen Medium gewidmeten Ausstellung   „Grenzen“.

 

Artist Statement: 

Grenzen können physische Räume markieren, Trennlinien ziehen, schützen oder abgrenzen. Bei dieser Ausschreibung fühlte ich mich besonders von einem Gedanken angesprochen: dem gleichzeitigen Abgrenzen – oft negativ bewertet – und dem Schützenden. Die Linie zwischen Innen und Außen ist meist durchlässig, vielleicht gar keine klare Linie, sondern ein Zwischenraum, eine Schwelle, die Begegnung ermöglicht. So verstehe ich auch meine künstlerische Arbeit. Sie gewährt mir Schutz, um persönliche Anliegen und Erfahrungen sichtbar zu machen. Das Zeichnen erlaubt dabei eine unmittelbare Ausdrucksform, die Intimität wahrt. Zugleich entsteht ein Kunstwerk, das als Kommunikationsangebot nach außen wirkt.

Die Begegnung mit dem „Fremden“ prägt unsere Gegenwart stark – oft verbunden mit Angst, die Ab- und Ausgrenzung fordert. Auch für mich hat Abgrenzung zwei Seiten: Schutz und Öffnung. In meinen Zeichnungen versuche ich, auch dem, was mir in mir selbst fremd oder beunruhigend erscheint, Raum zu geben. Ich mache es sichtbar, um es anzunehmen und zu verarbeiten. Dabei spiegelt sich auch die gesellschaftliche Realität mit ihren bedrohlichen Aspekten – nicht als bloßer Schrecken, sondern als Teil eines integrativen Prozesses. Es geht mir darum, diese Wirklichkeit im Werk zu vergegenständlichen – nicht zur Distanzierung, sondern zur Auseinandersetzung.

Meine Zeichnungen möchten sinnliches Erleben ermöglichen und als Appell an Mitgefühl und Vernunft verstanden werden – als Einladung zum Dialog.

https://www.artysana.at

Barbara Kuhness zeigte ihre Werke im Herbst 2025 in der dem grafischen Medium gewidmeten Ausstellung  „Grenzen“.

Artist statement:

der moment, wo einen etwas berührt, wo etwas uralt vertrautes neu spürbar wird, weil die dichte und weite dort an eine dichte und weite hier erinnert. dieser moment hält uns und sucht seine begrenzung, sucht seinen raum, sucht im prozess seine verwirklichung durch den engpass der künstlerischen reduktion, um wieder in die möglichkeit zu kommen, sichtbar zu werden, zu begegnen, an zu kommen. es geht um das setzten eines fließenden raums zwischen innen und außen, zwischen hier und dort. es geht um das grenzen an etwas, das berührung aber uch distanz bedeutet, und um klarheit. wort, papier und druck schöpfen aus dem mut der begründer des kubismus und des jugendstils, schöpfen die freude an der expressiven einfachheit zum ausdruck der eigenen wahrnehmung. die sukzessive reduktion nähert sich schicht um schicht dem realen und erforscht die spannung, die es braucht, um der begegnung die essenz zu entlocken und im werk wieder zu geben.

 

Carola Schmidt, in Horn, (NÖ) geboren, ist eine in Berlin lebende, international arbeitende Künstlerin, die vor allem in den Bereichen Film, Photographie, Multimedia und Performance tätig ist. Sie tritt seit 2012 auch unter den Namen Lulu Schmidt auf. – Carola Schmidt erhielt ihre Ausbildung an der Universität für angewandte Kunst Wien und der Universität der Künste Berlin in den Bereichen Film, Photographie und Multimedia und Performance. Zu ihren Lehrern zählten Erich Lessing, Gabriele Rothemann und zuletzt Rebecca Horn, bei der sie bis 2007 Meisterschülerin war.

https// carolaschmidt.com

Carola Schmidt präsentierte die SCHMIEDE-Ausstellung 2025.

 

 

kunstraum pro arte · Schöndorferplatz 5 · A-5400 Hallein