Werner Würtinger – „Als wär’s ein Stück von mir“
Mit der Ausstellung „Als wär’s ein Stück von mir“ präsentiert Werner Würtinger im Kunstraum pro arte Arbeiten, die sich zwischen Skulptur, Architektur, Erinnerung und persönlicher Erfahrung bewegen. Der Titel, den Carl Zuckmayer einem Soldatenlied entlehnte, verweist auf die Mehrdeutigkeit des Begriffs „Stück“: als Teil eines größeren Ganzen ebenso wie als eigenständige, unverwechselbare Einheit.
Ausgehend von Modellen entwickelt Würtinger visionäre Raumskulpturen, die sich bewusst jenseits funktionaler oder utilitaristischer Architektur verorten. Seine Arbeiten sind weder Entwürfe für konkrete Bauwerke noch autonome Objekte im klassischen Sinn. Vielmehr entstehen Räume, die nach einer anderen Form von Wirklichkeit suchen – nach Orten der Imagination, der Erinnerung und einer möglichen „Bewohnbarkeit“.
„Meinen bildhauerischen Arbeiten geht meist ein Modell voraus. Die 1:1-Ausführung findet ihre Maße im Verhältnis zu meiner physischen Existenz, im Suchen nach einer möglichen Bewohnbarkeit, zumindest für einen Teil – ein Stück – von mir“, beschreibt der Künstler seinen Arbeitsprozess.
Würtingers Werk steht dabei in einer Tradition visionärer Raumkonzepte, wie sie Künstler und Architekten des 20. Jahrhunderts entwickelt haben. Zugleich bleibt seine Arbeit stets von einer persönlichen Dimension geprägt. Einen wichtigen Ausgangspunkt bilden Erinnerungen an seine Kindheit in Hallein. Dort begegnete er handwerklich gefertigten Miniaturwelten, geschaffen von Bewohnerinnen und Bewohnern des sogenannten Armenhauses. Aus Holz, Papier und Leinölfarbe entstanden detailreiche Darstellungen ihrer Umgebung – Werkstätten, Tiere, Häuser und Figuren –, die für den jungen Werner Würtinger zu einem eigenen Kosmos wurden.
Diese Erfahrung einer imaginierten und zugleich vollkommen glaubwürdigen Welt wirkt bis heute nach. In seinen Raumskulpturen sucht er nach einem zeitgenössischen Äquivalent zu jener Faszination: nach Räumen, die nicht nur betrachtet, sondern gedanklich betreten und erlebt werden können.
Die Ausstellung ist darüber hinaus von einer persönlichen Erinnerung begleitet. Die unmittelbare Nähe des Kunstraums pro arte zum ehemaligen Hotel Scheicher ruft für den Künstler die Erinnerung an seine Tante Auguste „Gustl“ Pichler wach – Schneidermeisterin, Schulgründerin und über viele Jahre eine entscheidende Unterstützerin seines künstlerischen Weges. Ihr ist diese Rückkehr nach Hallein auch in Dankbarkeit gewidmet.
„Als wär’s ein Stück von mir“ verbindet biografische Spurensuche mit grundsätzlichen Fragen nach Raum, Identität und Wirklichkeit. Die gezeigten Arbeiten laden dazu ein, sich auf Orte einzulassen, die zwischen Modell und Lebensraum, Erinnerung und Vision, persönlicher Geschichte und universeller Erfahrung entstehen.
Eröffnung: Samstag, 11. Juli 2026, 11 Uhr
Ausstellungsdauer: 12. Juli – 22. August 2026 im kunstraum pro arte
Beitragsbild: © Werner Würtinger