Jahr: 2018

Begleitend zum Medienkunstfestival Schmiede Hallein, stellt der Tennengauer Kunstkreis, nun schon seit mehreren Jahren, die Ausstellungsräume des kunstraum pro arte für Künstlerinnen und Künstler aus dem “SmithNetzwerk” zur Verfügung.

Passend zum Thema No Plan wird Johannes Löberbauer (Giovi) in diesem Jahr einen Querschnitt aus seinem reichhaltigen Œuvre präsentieren. Auf den ersten Blick ohne Plan, aber bei genauem Hinsehen zeigt sich in den Arbeiten eine sehr genaue Beobachtung der Natur und ihrer Strukturen sowie eine durchdachte Anordnung dieser. Es entstehen Wechselspiele von Zerstörung und Erschaffung, immer in starkem Bezug zu den natürlichen Eigenheiten der Materialien. Ausgehend von den Ansätzen der klassischen Malerei bearbeitet der Künstler die Leinwände mit Gips und Chrom-Spraydosen und schafft dadurch starke Bewegungen und aufregende Ornamentmuster. Die Arbeiten des Künstlers spiegeln seine Erinnerungen wider und zeugen vom Verloren-Gehen und Wieder-Finden. Es sind Erinnerungen an die Heimat im Almtal und die Erhabenheit des Toten Gebirges.

Ausgehend von einer grundlegenden Auseinandersetzung mit Widerstand, Zweifel, Verlust, Tod und dem Leben an sich beginnt auch ein monatelanger Weg durch die Steinwüsten des Toten Gebirges – gesäumt von der Faszination einer Urgewalt und den greifbaren Überresten jahrtausendealter Geschichte. Mit dem inneren Drang, den eigenen aber noch unbekannten Weg durch die Irrungen verlassene Gebiete zu finden, beginnt auch diese Arbeit. Es ist eine Geschichte über das Verloren-Gehen und Wieder-Finden: Die Beschäftigung mit dem Gebirge ähnelt oft der Beschäftigung mit dem Tod. Ein Gedanke, aus dem wohl auch die ungebrochene Inspiration des Toten Gebirges schöpft.
Das Greifbar-machen von Erinnerung führt Giovi mit dieser Arbeit weg von gewohnten Arbeitsweisen, Materialien oder Techniken. Klassische Malerei ergänzt sich mit den Instrumenten Chrom-Spraydosen, Ornamentmuster und Gips. Der Künstler durchlebt während des jahrelangen Schaffungsprozesses auch einen Lernprozess. Ein Finden eben jenes Weges, der sinngemäß diesen Werken ihr Fundament gibt. Soviel zur Aufgabe einer Flucht, einem bewussten Vergessen von Pfaden der Vergangenheit, hin zum Erinnern der Windungen des eigenen Lebenspfades. „Geradeaus kann man nicht sehr weit gehen“, sagte auch bereits ein sehr bekannter Kleiner Prinz.

Die Werke Giovis spiegeln die Bandbreite seiner Erinnerung wider: Nebel wie Rauch überzieht schroffe Steilwände. Schmale Grade bahnen sich ihren Weg durch einen metaphorischen Spiegel, der Szenen der Reise in seinen goldenen Reflexionen birgt. Beinahe ikonenhaft erhebt sich der Zwölferkogel, dessen Höhen sich wie ein inneres Echo tief unten im Almtal spiegeln. So entfaltet sich  einin Spektrum, dessen nähere Betrachtung nicht nur ein Abbild des Streifzugs eines Künstlers darstellt, sondern schlussendlich sich auch als Spiegel an den Betrachter wendet. Die Arbeiten um TOTES GEBIRGE sind nicht nur die Fragmente aus der Erinnerung eines Wanderers, sondern lassen auch Freiraum zum Verweilen, zum Mit-Wandern und Mit-Sehen. Und vielleicht auch zum Aufgeben der eigenen Irrungen auf den Wegen der Vergangenheit.

Romana Stücklschweiger

 

Eröffnung
Mittwoch 29. September 2018, 19:30 Uhr

Zur Ausstellung spricht
Kerstin Klimmer-Kettner, Leiterin kunstraum pro arte

Veranstaltungen

Montag 03. September, 19:15 Uhr
ArtistTalk

Dienstag 04. September, 18:00 Uhr
Führung durch die Schmiede18
Treffpunkt: Alte Saline, Pernerinsel

Dauer der Ausstellung: 30. August bis 06. Oktober 2018

 

 

Gottlob Frege, Ludwig Wittgenstein und ((4×3)+12) Versuche über die logische Struktur der Welt

mit Arbeiten von Josef Dabernig, Martin Ebner, Andreas Fogarasi, Bernhard Frue, Kathi Hofer, Roland Kollnitz, Ingo Nussbaumer, Wendelin Pressl und Markus Hofer, Anja Ronacher, Simon Wachsmuth, Anita Witek, Otto Zitko, Heimo Zobernig; zusammengestellt von Gregor Schmoll

Im Sommer 1918 verbringt Ludwig Wittgenstein (1889–1953) den Fronturlaub in der Villa seines Onkels Paul Wittgenstein in Oberalm bei
Hallein und vollendet dort das wohl bekannteste philosophische Werk des 20. Jahrhunderts: die „Logisch-philosophische Abhandlung“, die ab ihrer Erstveröffentlichung 1921 unter dem Titel „Tractatus logico-philosophicus“ in die Geschichte eingehen wird. Noch in einem ersten handschriftlichen Vorwort, das später geändert wurde, dankt Wittgenstein seinem „Onkel Herrn Paul Wittgenstein für die liebevolle Aufmunterung“. Bereits 1959 weist Elizabeth Anscombe, eine der literarischen Nachlassverwalter_innen von Wittgenstein, darauf hin, dass das Verständnis des „Tractatus“ auf den Werken von
Gottlob Frege (1848–1925) aufbaut. Gottlob Frege war einer der brilliantesten Logiker des ausgehenden 19.Jahrhunderts, und doch konnte er Wittgensteins „Abhandlung“ nicht verstehen, wie die von Frege erhaltenen und in der Ausstellung gezeigten Briefe eindrücklich aufzeigen. Wittgenstein, der den Kontakt zu Frege 1920 abbrach, zählte jenen aber bis in seine späten Jahre zu einem der maßgeblichsten Einflüsse auf sein Denken.

Die Ausstellung Ist Eros der eben jetzt von mir beobachtete Planet? – der Titel ist dem letzten Brief Gottlob Freges an Ludwig Wittgenstein vom 03. April 1920 entnommen – thematisiert das Verhältnis von Wahrnehmung, Zeichen (Sprache), Form und „Wirklichkeit“. Angelehnt an die briefliche Auseinandersetzung der beiden Philosophen nimmt sie das 100-jährige Jubiläum der „Logisch-philosophischen Abhandlung“ zum Anlass und zeigt dreizehn herausragende Arbeiten aus den Genres Film, Video, Skulptur, Zeichnung, Fotografie, Malerei und Grafik von österreichischen Künstlerinnen und Künstlern der jungen und jüngeren Generation, die sich konzeptionell innerhalb der Tradition dieser analytischen Fragestellungen verorten lassen. Die Frage nach der Abbildbarkeit der „Wirklichkeit“, nach „Sinn“ und „Bedeutung“ des Gezeigten und den daraus resultierenden Folgen bzw. Widersprüchen steht im Fokus der Ausstellung, wobei nicht versucht wird, eine Antwort zu finden, sondern vielmehr der Blick auf die Vielschichtigkeit der Fragestellung gerichtet bleibt.

Vielleicht kann gesagt werden, dass allen ausgestellten Arbeiten die Frage nach einer logischen Struktur des Abbildens und damit der Welt (als „Übereinstimmung“ bzw. „Bild“) kritisch/ironisch eingeschrieben ist!?

Gregor Schmoll

 

Eröffnung und Katalogpräsentation
Donnerstag 21. Juni, 19:30 Uhr

zur Ausstellung spricht Gregor Schmoll

Dauer der Ausstellung
22. Juni bis 18. August 2018

Geöffnet: Mi – Fr 16 – 19 und Sa 10 – 13 Uhr
Geschlossen am 15. August 2018

 

Bildnachweis: Markus Hofer und Wendelin Pressl, Teleskop Nr. 2 aus der Serie Extraterrestrische Wunschvorstellungsgespräche

Gretl Thuswaldner & Christine Uhlig

TANZ in der Fotografie und in der Malerei

Der Tanz – eine Kunstform für sich, die immer das menschlich Existenzielle in seiner wesentlich erotischen Bewegtheit thematisiert – wird in den Arbeiten der Malerin Christine Uhlig und der Fotografin Gretl Thuswaldner zum Gegenstand künstlerischer Auseinandersetzung. Die technischen Mittel der beiden Künstlerinnen können unterschiedlicher nicht sein, doch wird in beiderlei Werken die Wahrnehmung einer Bedrohung sichtbar, die sich als Beschränkung des Lebens- und des Bewegungsraums durch die Gesellschaft darstellt. Die zunehmende Einengung von außen und die fortschreitende Aushöhlung, die von innen her stattfindet, betreffen den Betrachter, der in metaphorischer Weise die Rolle des Tänzers einnimmt.

 

Eröffnung: Donnerstag 22. Februar 19:30 Uhr

 

Veranstaltungen:

Do 15.03., 19:00 Uhr, Tanzperformance von Matteo Haitzmann

anschließend Künstlergespräch

Sa 24.03., 11:00 Uhr, Künstlerinnenfrühstück

Gespräch mit den Künstlerinnen bei Kaffee & Croissants

 

 

Die im Jahr 2015 begonnene Serie der Präsentation zeitgenössischer zeichnerischer/graphische Positionen soll auch für die nächsten Jahre als Strukturelement ins Ausstellungsprogramm des kunstraum pro arte übernommen werden. Beide Künstler verbindet sowohl Persönliches  als auch Künstlerisches mit Hallein; ihre Werke waren jedoch schon lange nicht mehr hier zu sehen.

Der Maler und Grafiker Thomas Nemec spiegelt in seinen Bildern das hemmungslose Durcheinander der Zeit. So titelte 2005 der Malmeser, Zeitschrift für Kunst und Kultur. Seither hat sich wenig geändert. Die Arbeiten sind immer noch ein Durcheinander. Zumindest auf den ersten Blick. Bei genauem Hinsehen lässt sich das vermeintliche Gewirr sehr gut aufdröseln und auf den Punkt bringen. Der Wiener Künstler beobachtet die gesellschaftspolitischen Ereignisse mit einem wachen Blick und durchaus kritisch. Nemec arbeitet gegen das etablierte System, gegen das Perfekte und gegen die Schönheit im Absoluten.
Im starken Kontrast dazu, die Arbeiten des Bildhauers Egon Straszer. “Natürlich”, “Selbstverständlich” mag man jetzt sagen, es handelt sich ja auch um Skulpturen und überhaupt, was macht ein Bildhauer in einer Zeichnungsausstellung? Ausgehend von der Linie bringt Egon Straszer den Strich vom Blatt in das Dreidimensionale. Aber nicht nur im Material stehen die Arbeiten von Egon Straszer im starken Gegensatz zu denen von Thomas Nemec auch formal unterscheiden sie sich. Die Objekte, vorwiegend aus Stein, sind klar, streng strukturiert, ohne Schnörksl und Wirrungen, ausdrücklich auf der Suche nach der perfekten Form.

Durch “Immer in Sicht” verbinden sich die Unterschiedlichkeiten im Blick des Betrachters und eröffnen den Zugang zu Fragen nach Definitionen von Begrifflichkeiten wie Schönheit, Perfektion, Form und vielleicht sogar Erhabenheit.

 

Eröffnung
Mittwoch 18. April 2018, 19:30 Uhr

Zur Ausstellung spricht
Martin Gredler, Leiter der Grafischen Werkstatt im Traklhaus

Veranstaltungen:

Fr. 18.05., 18:00 Uhr
Führung durch die Grafische Werkstatt im Traklhaus Salzburg
Beschränkte Teilnehmerzahl, Anmeldung erforderlich
Treffpunkt: Waagplatz 1A, 5020 Salzburg

Do 24.05., 18:00 Uhr
After Work
Kurzführung durch die Ausstellung

Dauer der Ausstellung: 19. April bis 26. Mai 2018

kunstraum pro arte · Schöndorferplatz 5 · A-5400 Hallein