Jahr: 2020

Lavinia Lanner, Anna-Amanda Steurer, Annelies Senfter

kuratiert von Kerstin Klimmer-Kettner

Natur und Kultur wurden und werden oftmals als unvereinbare Gegensätze gegenübergestellt. In der aktuellen Ausstellung werden Verbindungslinien zwischen Natur und Kultur gewebt. Die Künstlerinnen Lavinia Lanner, Anna-Amanda Steurer und Annelies Senfter loten dabei Szenarien der Imagination mit und über Natur, den Umgang mit der Natur und die Natur des Menschen aus. Vom spielerischen Umgang mit ästhetischen Formen in der Arbeit „Hairbarium“ von Lavinia Lanner über Rauminterventionen von Anna-Amanda Steurer, in welchen Licht, Zeit und Rhythmus im Raum abstrakte Zwischenräume der Reflexion öffnen, bis hin zur recherchebasierten poetischen Erinnerungsarbeit in den Herbarien der Arbeit „Asking the Trees“ von Annelies Senfter spannt sich ein Bogen auf, der vom Poetischen bis ins Politische reicht. Ästhetiken der Natur werden in unterschiedlicher Weise aufgegriffen, inszeniert und imaginiert.

Die in Salzburg und Wien lebende Künstlerin Lavinia Lanner, geboren 1985, beschäftigt sich in ihrer Serie „Hairbarium“, mit Pflanzenhybriden. Dem Genre der naturwissenschaftlichen Zeichnung nachempfunden, bedient sie sich zwar der Bildsprache derselben, doch sind ihre Pflanzenhybriden eigenständige Kreaturen in Bleistift auf Papier. Diese bewusst eingesetzte Mehrdeutigkeit der Linien setzt sich in der raumgreifenden Installation „JEIN“ von Lavinia Lanner fort: Lanners Papierbahnen ähneln dabei Schriftrollen und enthalten gestische Elemente, die ähnlich wie Puzzlestücke, zusammengesetzt ein Ganzes bilden. Auf den einzelnen Bahnen sind die Fragmente jedoch als abstrakte Einzelteile zu sehen. Sie lotet damit aus, wieviel es braucht, um nicht nichts zu sein. Dass es sich etwa um das über mehrere Formate gezogene Wort JEIN handelt, erschließt sich den Betrachtenden nicht ohne Weiteres und ist laut Künstlerin sekundär. Eine Zwischenwelt des Vagen, des nicht Festlegen-Wollens entsteht. Die Besucher_innen bewegen sich zwischen den Fragmenten, von der Linie zur Fläche, zum Raum und wieder zurück auf gänzlich Reduziertes. 

Mit Pflanzen als stumme Beobachter unserer Menschenleben und als Zugang einer poetischen Erinnerungsarbeit beschäftigt sich Annelies Senfters in ihren künstlerischen Herbarien. Die Salzburger Künstlerin zeigt ihren von 2016 bis 2020 entstanden Werkzyklus “Asking the Trees“ (Die Bäume bitten/befragen). Inspiriert von wissenschaftlichen Herbarien, in welchen Pflanzenteile konserviert werden und Aufschluss über die Pflanze und ihre Fundumstände geben, wählt die Künstlerin diese Form für eine poetische Erzählung über Heimat und den Verlust von Heimat aus politischen Gründen. Ihr Ziel ist es zeitliche Verbindungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart und territoriale Verbindungen zwischen Heimat und Exil zu schaffen. Nach zweijähriger Recherche in Stadt und Land Salzburg begann 2016 die Arbeit an einem Herbarium aus Parks und Gärten von im Nationalsozialismus enteignetem beziehungsweise beschlagnahmtem Besitz. Eingebettet ist die Serie in eine Sammlung tagebuchartiger Texte, geschrieben während eines USA-Aufenthaltes der Künstlerin 2015, und eine Reihe von Fotografien, die fiktiv Erinnerungsbilder ehemaliger BesitzerInnen an ihre Anwesen und Häuser rekonstruieren.

Anna-Amanda Steurer, geboren 1994, studierte Bildnerische Erziehung und Textiles Gestalten an der Universität Mozarteum Salzburg. Ihre Suche nach universell verständlichen Metaphern für das Werden und Vergehen haben die Künstlerin zu Raum-Zeitkonzepten hingeführt, die sie in Installationen in Innen- und Außenräumen umsetzt. In der Ausstellung wird eine begehbare Rauminstallation aus Eisen, Holz, und verzinktem Draht gezeigt, in der sich, abhängig vom Standort, die zarten Linien der verspannten Drähte zu einem räumlichen, in seiner Tiefe variablen Bild überlagern. Zudem werden mehrere Fotografien des Projektes „hOURs“ gezeigt – eine Intervention im Naturraum. Die Wahl des Ortes, eine enge Schlucht im Bregenzerwald, folgte der Prämisse einer ausschnitthaften Perspektivenvielfalt, die dynamische und zeitkontinuierliche Abläufe einbezieht. Die Raumintervention aus rund 20 km verzinktem Eisendraht war in ihrer Gesamtheit von keinem Standort aus einsehbar. Es gab eine kurze Phase, in der direktes Sonnenlicht über die zarte Textur der Oberfläche streifte und die Poesie der vorrückenden Zeit versinnbildlichte.

+++ Auf Grund des Lockdowns wurde die Ausstellung bis 27. Februar 2021 verlängert! +++

Die Video Interviews mit den Künstlerinnen geben Einblicke in die Ausstellung.

Interview mit Lavinia Lanner:

 

Interview mit Annelies Senfter:

 

Interview mit Anna-Amanda Steurer:

Wenige Monate vor Ausbruch der Covid-19-Pandemie in Wuhan, hatte die Multimedia-Künstlerin Anny Wass Gelegenheit, sich ein Bild der chinesischen Gesellschaft zu machen.

Anny Wass war im Oktober 2019 zu Gast am Jigongshan Museum / International Art Park, das nur zwei Autostunden von Wuhan entfernt liegt. Während ihrer Residency setzte sich die Künstlerin mit stereotypen Bildern und ihren eigenen Vorstellungen von China sowie mit ihren Erwartungen auseinander und spürte diesen vor Ort nach. Daraus entstand die Fotoserie „me myself and I“, in der sich Eindrücke aus Architektur, Natur, Verhaltensregeln und sozialen Kontakten innerhalb und außerhalb der Residency verdichten und Fragen im Spannungsfeld zwischen Individualismus und Gemeinschaft sowie Wettbewerb und Solidarität verhandelt werden. Die Fotoserie, in der die Künstlerin sich selbst zum Bildmaterial macht und multiple Abbildungen ihrer selbst als Bildbausteine nutzt, ist Herzstück der Ausstellung. In diesen fotografischen Selbstinszenierungen wechselt die Künstlerin zwischen den Rollen als Objekt und Fotografin und dokumentiert den performativen Prozess.

Anny Wass, geboren 1983 in Hallein, hat ihr Diplom im Bereich Design und Skulptur, sowie im Bereich der Fotografie erhalten. Seit ihrem Abschluss im Jahr 2009 hat sie eine multidisziplinäre Praxis aufgebaut, die von Objekt und Malerei bis Design und Fotografie reicht und sich durch Materialuntersuchungen und Leidenschaft für Farbe und Detail auszeichnet. Wass erkundet gerne die Beziehungen, die wir zu Objekten in unserem alltäglichen Leben eingehen, und fragt, wie sie zu kulturellen Bedeutungsträgern werden. Sie interessiert sich für kritische Ansätze zur Erreichung von Nachhaltigkeit in einer von Produktion und Massenkonsum geprägten Gesellschaft. In ihrer Arbeit dreht sich alles um das Thema Konzentration und Bewusstsein. Durch Komponenten wie Größe, Farbe und grafische Elemente transportiert ihre Kunst sichtbar die Idee eines Bewusstseins für Material, Produktionsbedingungen, Gesellschaft und Umwelt.

Die Ausstellung zeigt eine Auswahl der Fotoserie „me myself and I“ aus Henan sowie einen Querschnitt aus Anny Wass‘ multimedialen Arbeiten zwischen Objekt und Design, Performance und Video.

 

Eröffnung:

Donnerstag, 16. Juli 2020 um 19:30 Uhr

Ausstellungsgespräch mit Anny Wass

 

Dazu gibt es Begleitveranstaltungen:

Samstag, 18. Juli 2020 um 11:00 Uhr
Die Künstlerin Anny Wass führt durch die Ausstellung.

Freitag, 28. August 2020 um 18:00 Uhr
Finissage & Künstlerinnengespräch

 

Dauer der Ausstellung: 17. Juli bis 28. August 2020

zu den Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 16 bis 19 und Samstag 10 bis 13 Uhr

Infos Coronavirus:
Es gelten die jeweils aktuellen, von der Bundesregierung vorgegebenen Maßnahmen zum Umgang mit dem Coronavirus. Wir registrieren alle BesucherInnen mit Namen und Kontaktdaten, diese Daten werden drei Wochen nach der Veranstaltung vernichtet. Es wird empfohlen, die Hände zu desinfizieren sowie eine Maske mitzunehmen, wenn die geltenden Abstandsregeln (Mindestabstand von 1 Meter) 
nicht eingehalten werden können. Es gilt eine generelle Personenobergrenze von maximal 100 Personen. Im Falle von Symptomen einer Atemwegserkrankung darf an den Veranstaltungen nicht teilgenommen werden.

Besucher_innen werden gebeten ihren eigenen Mund-Nasen-Schutz mitzubringen.

 

 

Bildnachweis: © Anny Wass, lotus, 2019

 

Begleitend zum Medienkunstfestival Schmiede Hallein stellt der Tennengauer Kunstkreis nun schon seit mehreren Jahren die Ausstellungsräume für Künstlerinnen und Künstler aus diesem Netzwerk zur Verfügung. Die Schmiede Hallein hat gemeinsam mit der Gemeinde Hintersee von 2018 bis 2020 das Künstler_innen-Symposium ORTung des Landes Salzburg durchgeführt. In der aktuellen Ausstellung im kunstraum pro arte wird eine Gesamtschau der drei Jahre präsentiert.

2018 drehte sich alles um „Mohr und die Stille“ und lehnte sich am Schaffen des bekanntesten Artist in Residence der Hinterseer Geschichte an, Joseph Mohr. Damit wurde die Grundlage für eine Auseinandersetzung mit dem Thema Artist in Residence sowie Regionale Kunst und Kulturproduktion gelegt.

2019 stand das Thema „Winter und Wandel in Hintersee“ im Fokus. Ausgehend von dem für ganz Österreich bedeutsamen Wandel im Wintertourismus wurde die Frage der Rolle von Kunst und Kultur in Zeiten des Wandels gestellt.

2020 wurde die Frage nach dem „Erfolg“ gestellt. Was ist Erfolg in Kunst und Kulturproduktion? Wie kann oder soll man persönliches Ziel und gemeinschaftlichen Prozess abwiegen?​ ​Wie verhält sich der Moment und die Gemeinschaft zur Zukunft?

Diese Ausstellung stellt den Abschluss dieser drei erfolgreichen Symposien dar und beendet zugleich die Initiative ORTung des Landes Salzburg, die es in dieser Form nicht mehr geben wird. Die Künstlerinnen und Künstler erhalten somit die Möglichkeit ihre Arbeiten erneut einem breiten Publikum zu zeigen, eingebettet in den internationalen Kontext der Schmiede Hallein. Gezeigt werden Video-, Audio- und Fotoarbeiten, Rauminterventionen und Performances.

Teilnehmende Künstlerinnen & Künstler:

Isidora Ilić & Boško Prostran, Michaela Schwentner, Maria Petschnig, Cornelia Böhnisch, Christiane Peschek, Bettina Landl, Birgit Schlieps, Gertrud Fischbacher, Tinka Legvart,  Katharina Schaar, Marius Schebella, Michael Hieslmair, Vera Sebert, Beate Ronacher, Lukas Gwechenberger, Tiana Wirth, Maja Degirmendzic, Boris Ceko, Jennifer Katanyoutanant

 

Eröffnung:

Mittwoch, 16. September 2020 um 19:00 Uhr

Eröffnung der Ausstellung & Vergabe des Landesstipendiums für Medienkunst durch LHStv. Heinrich Schellhorn an Katharina Aigner
Grußworte von Paul Weißenbacher, Bürgermeister der Gemeinde Hintersee

Dauer der Ausstellung: 17. September bis 24. Oktober  2020

Eine Ausstellung von Mitgliedern, Freundinnen und Freunden des Tennengauer Kunstkreises

Die Ausstellung „Lieblingsstücke – Objekte, die gefallen“ versammelt Skulpturen, Malerei, Grafiken, Fotografien, filmische Beiträge und Alltagsobjekte, von Freundinnen und Freunden sowie Mitgliedern des Tennengauer Kunstkreises. Was ein Lieblingsstück ist, entscheiden die Leihgeber_innen. Es entsteht ein buntes Sammelsurium an Lieblingsstücken, die das Herz erfreuen und neugierig machen mehr zu erfahren. In unruhigen Zeiten wie diesen, bringen Objekte, die jedem Einzelnen im Alltag Freude machen, vielleicht noch zusätzliche Freude und Geschichten zu den unbekannten Betrachterinnen und Betrachtern.

 

Stille Eröffnung:

Samstag, 30. Mai 2020, 10:00-14:00 Uhr

Aufgrund der COVID-Bestimmungen wird keine große Eröffnungsveranstaltung möglich sein. Es dürfen sich max. zehn Personen gleichzeitig in den Räumlichkeiten des kunstraum pro arte aufhalten. Besucher_innen werden gebeten ihren eigenen Mund-Nasen-Schutz mitzubringen.

 

Dauer der Ausstellung: 30. Mai bis 27. Juni 2020 (Die Ausstellung wird bis Sa, 4. Juli 2020 verlängert!)
zu den Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 16 bis 19 und Samstag 10 bis 13 Uhr

Treffpunkt10 Uhr kunstraum pro arte, Schöndoferplatz 5, 5400 Hallein

Bernhard Lochmann und Stefan Kreiger zeigen in der Ausstellung PICTOCLUSTER vor allem Arbeiten aus den Bereichen Zeichnung und Collage. Ausdrucksweisen, in denen beide Künstler in den vergangenen Jahren intensiv tätig waren, zu eigenen Formensprachen gefunden haben und die hier als Schnittstellen fungieren in der Zusammenstellung als szenischer Dialog. Die Künstler bedienen sich an den herkömmlichen wie auch absurden „Bildausstoßungen“ unserer Mediengesellschaft und werden bei verschiedenen Quellen fündig. Begleitet von der Erzählung, der Verdichtung und einem generell sehr spielerischen Zugang zeigen sich hier mehr Gemeinsamkeiten als auf den ersten Blick zu sehen sind. Die Lust, mit der hier dokumentiert, umgeformt, rekombiniert, hinterfragt, neu generiert und persifliert wird, ist ansteckend.

Eröffnung:

Donnerstag, 20. Februar 2020, 19:30 Uhr

Zur Ausstellung spricht Tina Teufel, Kuratorin Museum der Moderne Salzburg

Dauer der Ausstellung: 21. Februar bis 28. März 2020

 

Veranstaltung (Eintritt frei):

Samstag, 28. März, 11 Uhr

Künstlergespräch: Bernhard Lochmann und Stefan Kreiger

 

Bildnachweis:
PICTOCLUSTER“, Stefan Kreiger und Bernhard Lochmann, 2019

 

kunstraum pro arte · Schöndorferplatz 5 · A-5400 Hallein