Eröffnungsveranstaltung des MedienKulturFestivals „Schmiede19: besser“

Begleitend zum Medienkunstfestival Schmiede Hallein, stellt der Tennengauer Kunstkreis, nun schon seit mehreren Jahren, die Ausstellungsräume für Künstler und Künstlerinnen aus diesem Netzwerk zur Verfügung. Heuer zeigen wir die Abenteuer von gold extra aus den letzten zwanzig Jahren:

Wir schreiben das Jahr 2219. Was ging vor sich im frühen 21. Jahrhundert? Ein erfahrenes Team von Zukunftsarchäolog*innen rekonstruierte für den kunstraum pro arte die 20-Jahre Jubiläumsausstellung der Künstler*innengruppe gold extra. Entdecken Sie mit uns längst vergessene Kulturtechniken wie Interaktivität und Tastaturen. Zu sehen sind Werke in verschiedenen Medien und Genres, darunter die Überreste von Automaten, Filmen, Robotern, Virtual Reality-Städtetrips und dokumentarischen Gameminiaturen über den Krieg. Erforschen Sie mit uns rätselhafte Artefakte, die einen Einblick in den Stand von Gesellschaft, Technologie und Medien des frühen 21. Jahrhunderts bieten.

Achtung diese Ausstellung enthält Plastik und traditionelle Computer. Hinweis: Kann Spuren von Coltan und Nüssen enthalten.

gold extra, in Salzburg und Wien beheimatet, arbeitet als KünstlerInnengruppe an den Schnittstellen von Gesellschaft, Medien und Technologien. www.goldextra.com

 

Eröffnung: Mittwoch 11. September, 19:00 Uhr
Zur Ausstellung spricht eine international anerkannte Koryphäe der Medienkunstarchäologie.

Finissage: Samstag, 12. Oktober 2019 um 11 Uhr
Vortrag von gold extra und Führung durch die Ausstellung

Dauer der Ausstellung: 12. September bis 12. Oktober
zu den kunstraum-Öffnungszeiten Mo – Mi 16 -19 und Sa 10 – 13 Uhr

Bildnachweis: gold extra

knautschen (ugs. und landsch. für) „zusammendrücken, quetschen, knittern; schmatzend essen; leise weinen“: Das seit dem 18. Jh. bezeugte Verb ist die verhochdeutschte Form von knutschen. (DUDEN, 2001, S. 418)

knutschen: Das Verb das seit dem Anfang des 20. Jh.s ugs. im Sinne von „heftig liebkosen, liebend und küssend an sich drücken“ gebräuchlich ist, bedeutete früher „[zusammen]drücken, pressen, quetschen“, beachte z.B. mitteld. (13.Jh.) zuknutschen „zerdrücken“, mhd. knutzen „drücken, quetschen“, oberd. (um 1500) knütschen „drücken“.  (DUDEN, 2001, S. 424)

verspielt… knautschig… zerknautscht… knAUTSCH!

Was ist eine Knautschzone? Ein Kissen zwischen mir und der Welt? Ein technisch konstruierter Zwischenraum, um Sicherheit zu gewährleisten? Ein Zwischenraum, um mit Widersprüchen und Ambivalenzen umzugehen? Die im Jahr 2015 begonnene Serie der Präsentation zeitgenössischer zeichnerischer/graphischer Positionen soll auch für die nächsten Jahre als Strukturelement ins Ausstellungsprogramm des kunstraum pro arte übernommen werden. Unter dem Titel KNAUTSCHZONE geben die beiden Künstlerinnen Judith Auer und Doris Moser Einblicke in ihre je individuellen Verständnisse des Knautschigen und zugleich bildet die Ausstellung eine Kontaktzone zwischen ihren Arbeiten und eröffnet neue Blickwinkel auf das Zusammenspiel von , Form und Materialität.

Die in Hallein geborene Künstlerin und Illustratorin Judith Auer zeigt u.a. während und nach ihrem Studium für Bilderbuchillustration in Italien, Macerata, entstandene Arbeiten. Sie beinhalten eine Reihe von großflächigen Zeichnungen ihres ersten Bilderbuchs „The Fox and the Crow“ für den Verlag Helbling, das im Frühjahr 2019 in englischer Sprache erscheinen wird. Darüber hinaus werden Einblicke in den Entstehungsprozess dieser illustrierten Erzählung, einer alten griechischen Fabel, gegeben. Bei weiteren Bildern der Ausstellung handelt es sich zum Teil um Auftragsarbeiten für Verlage und Magazine sowie um freie Arbeiten, in denen sich Judith Auer u.a. mit den Themen Sexualität, Liebe und Lust befasst. Die Künstlerin verwendet für ihre Bilder eine schlichte, grafische Formensprache sowie eine intensive Farbskala. Sie arbeitet sowohl mit Farb- und Bleistiften, als auch mit Aquarell- und Drucktechniken.

Die Südtiroler Künstlerin Doris Moser studierte an der Universität Mozarteum Salzburg Malerei und Textiles Gestalten und befasst sich in ihren Arbeiten mit Themen wie Kindheit, Frau-Sein und Körperlichkeit. Ihre großformatigen Malereien zeichnen sich vor allem durch Vielseitigkeit, Sinnlichkeit sowie eine auffällige Farbigkeit aus. Ihren Zugang für die Ausstellung KNAUTSCHZONE beschreibt sie wie folgt: „Bauschig, buschig, faltig, flauschig, fleischig, gatschig, glitschig, kitschig, rutschig, wuschig, KNAUTSCHIG… Meine Malerei umkreist das wohlige Gefühl einer knautschigen Erfahrung. Mit meinem Handy in der Hand beobachte ich knautschige Zonen am Körper und halte diese fotografisch fest. Die dabei entstandenen Nahaufnahmen übersetze ich anschließend in eine von grafischen Elementen und auffälliger Farbigkeit geprägte Malerei. Der Körper wird zur irrealen Landschaft, durch die sich die Betrachtenden tasten können.“

Die Arbeiten beider Künstlerinnen verbindet ein verspielter Zugang, der die Besucher*in dazu einlädt, die Knautschzone als physischen und mentalen Zwischenraum zu erkunden und sich selbst mit den je eigenen knautschigen und zerknautschten Zonen des Fühlens, des Denkens und des Handelns zu befassen.

 

Dauer der Ausstellung: 22. Februar bis 30. März 2019

 

Dazu gibt es einige Begleitveranstaltungen:

Donnerstag, 21. Februar 2019, 19:30 Uhr
Zur Ausstellung spricht Ingrid Schreyer, Lehrende für Malerei an der Universität Mozarteum

Sonntag, 24. Februar 2019, 10:00 bis 16:00 Uhr

Workshop Pop-Up-Karten: Für Erwachsene und Jugendliche – Kursinhalt: In diesem Workshop unter der Leitung von Judith Auer werden bunte Collagen durch selbst bedruckte Papiere gestaltet. Durch ein experimentelles Zusammenfügen der entstandenen Farbflächen ergeben sich figurative bis hin zu abstrakten Kompositionen, aus denen aufklappbare Grußkarten – so genannte „Pop-Up-Karten“ – und kleine Kunstwerke hergestellt werden. – Zielgruppe: Alle die Freude am eigenen künstlerischen Gestalten haben! Es sind keine Vorkenntnisse erforderlich. – Unkostenbeitrag: 35 € inklusive Material, kostenfrei für Mitglieder TKK (max.10 Teilnehmer*innen)
Anmeldung: office@kunstraumproarte.com

Samstag, 30. März 2019, 11:00 Uhr

Finissage mit Künstlerinnengespräch: Bei Croissants & Kaffee geben die Künstlerinnen Judith Auer und Doris Moser tiefere Einblicke in die gemeinsame Ausstellung „KNAUTSCHZONE“.

 

 

Gottlob Frege, Ludwig Wittgenstein und ((4×3)+12) Versuche über die logische Struktur der Welt

mit Arbeiten von Josef Dabernig, Martin Ebner, Andreas Fogarasi, Bernhard Frue, Kathi Hofer, Roland Kollnitz, Ingo Nussbaumer, Wendelin Pressl und Markus Hofer, Anja Ronacher, Simon Wachsmuth, Anita Witek, Otto Zitko, Heimo Zobernig; zusammengestellt von Gregor Schmoll

Im Sommer 1918 verbringt Ludwig Wittgenstein (1889–1953) den Fronturlaub in der Villa seines Onkels Paul Wittgenstein in Oberalm bei
Hallein und vollendet dort das wohl bekannteste philosophische Werk des 20. Jahrhunderts: die „Logisch-philosophische Abhandlung“, die ab ihrer Erstveröffentlichung 1921 unter dem Titel „Tractatus logico-philosophicus“ in die Geschichte eingehen wird. Noch in einem ersten handschriftlichen Vorwort, das später geändert wurde, dankt Wittgenstein seinem „Onkel Herrn Paul Wittgenstein für die liebevolle Aufmunterung“. Bereits 1959 weist Elizabeth Anscombe, eine der literarischen Nachlassverwalter_innen von Wittgenstein, darauf hin, dass das Verständnis des „Tractatus“ auf den Werken von
Gottlob Frege (1848–1925) aufbaut. Gottlob Frege war einer der brilliantesten Logiker des ausgehenden 19.Jahrhunderts, und doch konnte er Wittgensteins „Abhandlung“ nicht verstehen, wie die von Frege erhaltenen und in der Ausstellung gezeigten Briefe eindrücklich aufzeigen. Wittgenstein, der den Kontakt zu Frege 1920 abbrach, zählte jenen aber bis in seine späten Jahre zu einem der maßgeblichsten Einflüsse auf sein Denken.

Die Ausstellung Ist Eros der eben jetzt von mir beobachtete Planet? – der Titel ist dem letzten Brief Gottlob Freges an Ludwig Wittgenstein vom 03. April 1920 entnommen – thematisiert das Verhältnis von Wahrnehmung, Zeichen (Sprache), Form und „Wirklichkeit“. Angelehnt an die briefliche Auseinandersetzung der beiden Philosophen nimmt sie das 100-jährige Jubiläum der „Logisch-philosophischen Abhandlung“ zum Anlass und zeigt dreizehn herausragende Arbeiten aus den Genres Film, Video, Skulptur, Zeichnung, Fotografie, Malerei und Grafik von österreichischen Künstlerinnen und Künstlern der jungen und jüngeren Generation, die sich konzeptionell innerhalb der Tradition dieser analytischen Fragestellungen verorten lassen. Die Frage nach der Abbildbarkeit der „Wirklichkeit“, nach „Sinn“ und „Bedeutung“ des Gezeigten und den daraus resultierenden Folgen bzw. Widersprüchen steht im Fokus der Ausstellung, wobei nicht versucht wird, eine Antwort zu finden, sondern vielmehr der Blick auf die Vielschichtigkeit der Fragestellung gerichtet bleibt.

Vielleicht kann gesagt werden, dass allen ausgestellten Arbeiten die Frage nach einer logischen Struktur des Abbildens und damit der Welt (als „Übereinstimmung“ bzw. „Bild“) kritisch/ironisch eingeschrieben ist!?

Gregor Schmoll

 

Eröffnung und Katalogpräsentation
Donnerstag 21. Juni, 19:30 Uhr

zur Ausstellung spricht Gregor Schmoll

Dauer der Ausstellung
22. Juni bis 18. August 2018

Geöffnet: Mi – Fr 16 – 19 und Sa 10 – 13 Uhr
Geschlossen am 15. August 2018

 

Bildnachweis: Markus Hofer und Wendelin Pressl, Teleskop Nr. 2 aus der Serie Extraterrestrische Wunschvorstellungsgespräche

mit Beiträgen von: Brigitte Berreiter, Leonhard Besl, Simon Faulhaber, Csaba Fürjesi, Manuel Gruber, Tobias Gruber, Helmuth Hickmann, Thomas Hörl, Ingrid Schreyer, Barbara Seebacher-Schiestl, Josef Zenzmaier, Norbert Zuckerstätter

Das Ende steht am Anfang, oder sollte zumindest bei jedem kreativen Neubeginn mitbedacht werden. – Diesen ideellen Rahmen hat sich der Tennengauer Kunstkreis für seine Abschlussausstellung des Jahres 2017, die sich der Zeichnung widmet, gestellt:
Konkretisiert wurde diese Aussage in zwei ideellen Extrempositionen: Einer “lebensbejahenden”, in fröhlich-bunten Bewegungssequenzen übersetzten Position und ihr gegenüber eine “besinnliche”, am freiheitlichen Lebensmodell zweifelnde und in einer traditionell-religiösen Bildsprache artikulierte Serie mittelalterlich inspirierter Grafiken. Diese Gegensätze sollen den Spielraum aufspannen, in dessen Grenzen sich ein Feld individueller Arbeiten durch das Medium der Zeichnung ausbreiten kann. Im kunstraum pro arte werden Positionen von Mitgliedern des Tennengauer Kunstkreises gezeigt, die sich eben in diesem Spannungsfeld zwischen gedanklicher Freiheit und Verantwortung seinem lebensweltlichen Entwurf gegenüber befinden.

Der Ansatzpunkt für das Konzept zu dieser Ausstellung kommt von Leonhard Besl und basiert auf einem nicht erhaltenen Auftrag vor mittlerweile 8 Jahren; hier wurde dem Künstler aufgrund seiner bis dahin charakteristischen Arbeiten, die unter anderem eher fröhlich wirkende Bewegungsbilder umfassten, ein Auftrag zum Entwurf erteilt; dieser wurde jedoch nach Vorlage der auf den ersten Blick furchterregenden Entwürfe, die jedenfalls einen ganz anderen Ausdruck als die „netten“ Arbeiten haben, wieder entzogen. – Der aus diesen ersten Entwürfen gewachsene „Dies irae“-Zyklus (Dies irae – lat. „Tag des Zorns“, ist der Anfang eines mittelalterlichen Hymnus über das Jüngste Gericht ), soll den einen Pol dieser Ausstellung bilden, aber auch die eine Extremposition des hier vorgestellten Konzepts bildender Kunst bilden: es kann im Leben nicht immer nur so unbeschwert abgehen wie in den menschliche Gedankenfreiheit und Bewegungsfreude vermittelnden farbenfrohen Arbeiten, die den anderen Pol bilden sollen, scheinen mag. Aber dann gibt es noch ein Dazwischen – ein Dazwischen, das nicht nur von der Unbeschwertheit menschlicher Freiheit, aber auch nicht nur von der Gedankenschwere medialer oder tatsächlicher Autoritäten beherrscht wird.

 

Veranstaltungen:

Do 14. Dezember, 19:00 Uhr
Ausstellungsrundgang mit Weihnachtsumtrunk

Di 16. Jänner 2018, 19:00 Uhr
Aktzeichnen mit Prof. Josef Zenzmaier
Unkostenbeitrag € 25,- / € 15,- für TKK Mitglieder

 

Dauer der Ausstellung: 24. November bis 27. Jänner 2018
Geschlossen: 20. Dezember bis 06. Jänner 2018

kuratiert von Korinna Lindinger

Von 5. Juli bis 24. August zeigt der kunstraum pro arte Arbeiten der feministischen Pionierin Margot Pilz aus den Jahren 1978 bis 2018

Die Kunst von Margot Pilz konfrontiert. Sie lotet die Konstruktion der (eigenen) Identität aus, entblößt emotionale Konfliktlinien und bricht mit gesellschaftlichen Rahmen – manchmal in tragischer, dann wieder in ermutigender Weise. Margot Pilz ist eine Pionierin feministischer Fotografie, der Performancekunst und der Medienkunst in Österreich. Aufgewachsen in den Niederlanden und Indonesien, absolvierte sie ihre Ausbildung zur Fotografin in Wien. Ihre künstlerischen Arbeiten finden seit über 40 Jahren national und international große Beachtung. Die feministischen, ökologischen und gesellschaftskritischen Themen sind heute aktueller denn je. Es ist eine besondere Freude und Ehre im 40. Jubiläumsjahr des Tennengauer Kunstkreises Auszüge des Oeuvres zeigen zu können.

Die Ausstellung „Margot Pilz – Spirits of Contradiction“ wird am 4. Juli 2019 um 19:30 Uhr eröffnet. Sie ist von 5. Juli bis 24. August im kunstraum pro arte zu sehen. Am 17. August um 11 Uhr bietet ein Artist Talk Gelegenheit mit Margot Pilz selbst ins Gespräch zu kommen. Am 23. August ist ergänzend zur Ausstellung der Film Sie ist der andere Blick von Christiana Perschon im Rahmen einer Sondervorstellung in der Stadtbücherei zu sehen. Im Frühjahr 2019 wurde dieser mit dem Preis der Diagonale für die Beste Kamera ausgezeichnet. Er portraitiert fünf Künstlerinnen der feministischen Avantgarde in Österreich in ihrem künstlerischen Schaffen, unter ihnen Margot Pilz. Die Filmemacherin Christiana Perschon wird anwesend sein und über ihren zeitgenössischen Blick auf richtungsweisende feministische Kunstpositionen sprechen.

Richtungsweisend war und ist für Margot Pilz in ihrer künstlerischen Arbeit oft das eigene Erleben. Die Arbeit Sekundenskulpturen (1978) zeigt die Künstlerin in hockender, nachdenklicher und in sich gekehrter Pose. Ein wichtiges Bildelement ist eine Leinenjacke. Diese Jacke trug Margot Pilz als sie auf dem Weg zu einem Frauenfest mit patriarchaler Gewalt konfrontiert wurde. Einige der Frauen standen vorbeigehenden Männern im Weg, es folgten abwertende Kommentare. Margot Pilz traute sich eine Widerrede, wurde hierfür angezeigt und gewaltsam abgeführt. Das Erlebnis hat Spuren hinterlassen – auf dem Körper der Künstlerin, auf ihrer Jacke und in ihrem Bewusstsein für die Alltäglichkeit von Ungerechtigkeit. Erfahrungen wie diese politisierten die Künstlerin.

Sie ist aktives Mitglied der 1977 gegründeten „internationalen Aktionsgemeinschaft bildender Künstlerinnen – INTAKT“. Die Gruppe formierte sich im Widerstand zur herrschenden Kulturpolitik, die Frauen strukturell benachteiligt und diskriminiert. Ausgangspunkt der solidarischen Interessensvertretung war eine Ausstellung die 1975 – im Jahr der Frau – erstmals Gegenwartskunst österreichischer Künstlerinnen zeigen sollte, jedoch ausschließlich von Männern kuratiert wurde. Der Widerspruch der Künstlerinnen gegen dieses wurde ignoriert, 46 Kunstschaffende sagten daraufhin ihre Teilnahme an der Ausstellung ab. Selbstermächtigend eröffnete INTAKT im Gegenzug eine eigene Galerie, um die Arbeit von Künstlerinnen zu zeigen und zu positionieren. Sichtbarkeit und Öffentlichkeit, für die Kunstproduktion von Künstlerinnen und feministische Themen, zu schaffen war und ist bis heute eine wichtige Agenda. 2019 vertritt mit Renate Bertlmann ein Mitglied von INTAKT Österreich bei der 57. Biennale in Venedig. 1978 veröffentlichte INTAKT ein Femifest. Als feministische Interpretation eines Manifestes, postulieren sie u.a.: „In der Kunst schlägt sich nieder, was in der Realität erlebt wird.“

Die Realität in Margot Pilz’ Werken ist eindringlich, sie ist mutig, sie ist fesselnd, sie ist beklemmend und sie ist vielschichtig. Die Projektionsfläche dieser Auseinandersetzung mit Spannung, Sichtbarkeit, Dominanz ist häufig der Körper der Künstlerin selbst. Dies gilt für frühe und aktuelle Werke. Die Arbeit Überwachung (1984) aus der Werkserie Die Weisse Zelle (1983-1985) zeigt die Künstlerin sogar mehrfach: In Schwarz-Weiß beobachtet sie sich selbst aus zwei Monitoren in der Mitte des Bildes. Im blauen Overall positioniert sie sich in Farbe zu diesem (sich selbst) kontrollierenden Blick. Dabei bleibt die Person im Vordergrund oft unscharf. Bestimmt hält sie ihren Blick hingegen in My wild life (2018) auf die Betrachterin oder den Betrachter gerichtet. Das Gesicht weiß bemalt, die Augen schwarz betont.

Die hier gezeigte Ausstellung Spirits of Contradiction legt den Schwerpunkt auf das fotografische Schaffen der Künstlerin. 1976 legt sie an der Höheren Grafischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien ihre Meisterprüfung in Fotografie ab. Die technischen Möglichkeiten des Mediums reizt Margot Pilz in ihrem künstlerischen Schaffen aus, so schreibt Kristian Sotriffer 1985 über sie:

„Unter den sich mit Photographie als künstlerischem Ausdrucksmittel beschäftigenden Persönlichkeiten zählt Margot Pilz zu den vielseitigsten und konsequentesten. Ihr Stil unterscheidet sie erkennbar von dem ihrer Kollegen durch seine Strenge, ja Konstruktivität, in die sich Poesie und ein Hang zu symbolträchtigen Metamorphosen einmischt. Gleichzeitig erscheint er von technischer Brillanz und Experimentierfreude geprägt.“ (Kristian Sotriffer, 1985)

Unschärfen, Belichtungsexperimente und klare Bildkompositionen verwendet Pilz um emotionale und gesellschaftliche Verhältnisse ins Bild zu setzen. Viele ihrer Arbeiten entstehen in Serien und enthalten so ein performatives Element, welches die Künstlerin in ihren Videoarbeiten, Medieninstallationen und Performances ausbaut. Für die Festwochen 1982 erschafft Margot Pilz einen Strand mitten in Wien. Mehrere Lastwägen Sand, eine Palme, eine Hochzeit, ein großer Wal und sein Gesang setzen eine Utopie in die Innenstadt. Kaorle am Karlsplatz (1982) setzt lustvoll Verhaltensregeln außer Kraft. Es sind gesellschaftskritische und ökologische Themen die Künstlerin antreiben. Jan Tabor erinnert sich Jahrzehnte später Jahrzehnte in denen Margot Pilz’ Konzept vielfach aufgegriffen und kommerzialisiert wurde, zuletzt wurde sogar der Litauische Beitrag auf der 58. Kunstbiennale in Venedig für die Umnutzung eines Raumes als Strand mit dem goldenen Löwen ausgezeichnet:

„ich war zwanzig Jahre lang kunstkritiker, hatte unmengen von kunstwerken gesehen und über hunderte geschrieben ich kann mich an viele kunstwerke erinnern, an viele – wohl die meisten – nicht mehr. An kaorle am karlsplatz erinnere ich mich besonders gut… es war ein ausnahmsweises kunststück, voll humor, voll poesie, doppeldeutig (mindestens), mit gesellschaftskritischen anspielungen, verspielt, surreal, subversiv, einladend, zugänglich im wahrsten sinne des wortes.“ (Jan Tabor)

1981 fotografiert Margot Pilz in der Eduscho Fabrik. – Dies inspiriert sie zur Installation Arbeiterinnenaltar (1981). Sie beobachtet, fotografiert und stellt Fragen. Denn ihr fällt auf: der soziale Alltag, das Selbstverständnis und die Bezahlung der Arbeiterinnen und der Arbeiter unterscheiden sich deutlich. Margot Pilz eckt an, ihre Fragen verunsichern die Belegschaft, ihre Arbeit ist solidarisch mit den ausgeblendeten Lebensrealitäten. Das gilt auch für ihr bestechend konsequentes und bestärkend radikales Werk.

Weblink: www.margotpilz.at

Dauer der Ausstellung: 5. Juli bis 24. August

Begleitveranstaltungen:

Donnerstag, 4. Juli, 19:30 Uhr
Eröffnung der Ausstellung durch Eva Veichtlbauer, Leiterin der Abt. für Kultur, Bildung und Gesellschaft/Land Salzburg.
Zur Ausstellung spricht Korinna Lindinger, Künstlerin und Soziologin

Sa, 17. August 2019, 11 Uhr
Künstlerinnengespräch mit Margot Pilz
Das Gespräch mit Künstlerin Margot Pilz und Kuratorin Korinna Lindinger führt Laila Huber, Leiterin des kunstraum pro arte. Bei Croissants & Kaffee haben die Besucher*innen die Möglichkeit, Näheres über die Zugänge und das Schaffen der Künstlerin zu erfahren.

Freitag, 23. August 2019 19:00 Uhr, Stadtbücherei Hallein
Filmscreening „Sie ist der andere Blick“, A 2018, 88min. – Ein Film von Christiana Perschon.

Bildnachweis des Beitragsbilds (r.):Margot Pilz, Die Weisse Zelle − Überwachung #11, 1984

DER KLANG DER STERNE

Lost to regain – Episode 4

Das Leben der Maria Wolkonskaja

Wie hören sich die Sterne an?

Kann der Klang der Sterne erspürt werden?

Der poetische Titel der Ausstellung von Maria Peters legt eine Fährte in das vielschichtige Universum, das die Künstlerin in ihrem mehrjährigen Projektzyklus Lost to regain entfaltet, in dem sie Fragen nach dem Menschsein und der Überschreitung des Menschseins durch die Verbindung mit Maschinen sowie den Gefahren einer technischen Optimierung des Menschen nachgeht.

Die Hauptprotagonistin der vielschichtigen Erzählung ist Maria Peters‘ Alter Ego Marie/Nachfolgerin 08 – sie kann auf Grund eines Zaubers nicht nur in die Vergangenheit, sondern auch in die Zukunft der Menschheit blicken, in der genetisch optimierte Menschen den Ton angeben. Marie/Nachfolgerin 08 ist die Schnittstelle durch welche das Publikum in die Erzählung eintreten kann.

Marie/Nachfolgerin 08: „Auf einer Wanderung durch Ost-Deutschland im Sommer 2016 geriet ich in eine Zeitanomalie, dabei sah ich die Vergangenheit und die Zukunft von meinem damaligen Standort aus. Der Zeitraum den ich sah, reichte vom 19. Jahrhundert bis ins Jahr 3968. Meine Vision zeigte mir die Lebensgeschichten von 24 Frauenfiguren, die über diesen Zeitraum nacheinander lebten und deren Schicksale zudem miteinander verwoben sind. (…) Ich selbst bin Marie/Nachfolgerin 08 und habe beschlossen, die Lebensgeschichten all dieser Figuren für die Nachwelt niederzuschreiben. Denn was ich in der Zukunft sah, war erschreckend. Doch die Zukunft läuft nicht einfach ab. Die Möglichkeiten sind zwar durch die Vergangenheit bereits geprägt, aber doch es liegt an uns, für welche der Möglichkeitslinien wir heute die Weichen stellen.“

Der Zyklus Lost to regain wird in Episoden (ähnlich einem Fortsetzungsroman oder einer TV-Serie) erzählt. In der Ausstellung im kunstraum pro arte wird diesmal die Lebensgeschichte der Maria Wolkonskaja, der zentralen Protagonistin dieses Zyklus, inszeniert:

Im 19. Jahrhundert erhielt Maria Wolkonskaja, die ihrem Mann nach Sibirien in die Verbannung gefolgt war, von einem Schamanen der Nomaden einen besonderen Zauber. Durch diesen sollte sie bei ihrem Tod in einer nächsten Person weiterleben können und derart also unsterblich werden. Bei ihrem Ableben jedoch stellte sich heraus, dass nicht sie in ihrer Nachfolgerin weiterlebte, sondern nur ihre Erinnerungen wurden vererbt. Dieser Zauber, einmal in Gang gesetzt, ist nie mehr zu stoppen. Alle weiteren Protagonistinnen der Geschichte sind somit Nachfolgerinnen von Maria Wolkonskaja. Die geerbten Erinnerungen wachsen demnach mit jeder neuen Übertragung an, sie überlagern sich mit der jeweiligen Gegenwart der Nachfolgerinnen.

Die Erzählung der Wolkonskaja und ihrer besonderen Beziehung zum Lied „Stille Nacht“ wird im kunstraum pro arte in Form von Bildern, Grafiken, Videoarbeiten und Wandtexten erzählt und durch Kommentare von weiteren Protagonist_innen der Erzählung aus dem Jahr 3676 ergänzt:

Lieke/Nachfolgerin 22 – die bereits mit den vielen ihr inzwischen vererbten Erinnerungen und Gegenständen ringt.

Gemeinschaft – ein Geheimbund, der seit den 1930iger Jahren versucht, die eigenen Eugenik- und Klonexperimente mit Hilfe der Nachfolgerinnen und ihrem Zauber zu verbessern.

Netzwerk – eine künstliche Intelligenz, geschaffen in unserer Gegenwart zur Erhöhung unserer Bequemlichkeit und zur Verbesserung des Lebens insgesamt.“

Das Projekt Lost to regain lässt dabei auch an Warnungen anklingen die unter anderem von Stephen Hawking oder auch Achille Mbembe jüngst ähnlich formuliert wurden, aber es öffnet ebenso einen Denkraum in Richtung utopischer Cyborgs, wie diese unter anderem von Donna Haraway in ihrem Cyborg Manifest bereits Mitte der 80er-Jahre imaginiert wurden.

Stephen Hawking

„Aber einige Forscher werden der Versuchung nicht widerstehen können, die menschlichen Fähigkeiten zu verbessern, etwa das Gedächtnis, die Krankheitsresistenz und die Lebenserwartung. Sobald die ersten Musterexemplare dieser ‚Übermenschen‘ auftauchen, wird es erhebliche politische Probleme mit den Menschen geben, die nicht verändert und nicht verbessert sind und folglich nicht mehr konkurrenzfähig sein werden. Sie werden vermutlich aussterben oder zur Bedeutungslosigkeit verurteilt sein. Ein Geschlecht von Lebewesen wird den Ton angeben, das sich selbst designt und sich in immer rascherem Tempo optimiert.“  (Stephen Hawking, Kurze Antworten auf große Fragen, 2018)

Achille Mbembe

„Es ist auch keineswegs ausgeschlossen, dass man an einen Punkt gelangt, an dem man der Medizin nicht mehr nur die Rolle zuweist, den von Krankheit zerrütteten Organismus zu einem Normalzustand zurückzuführen, sondern auf der Grundlage molekularbiologischer Techniken das Leben selbst nach rassischen Kriterien umzugestalten. Rasse und Rassismus haben also nicht nur eine Vergangenheit. Sie haben auch eine Zukunft, vor allem innerhalb eines Kontextes, in dem die Möglichkeit, Lebewesen zu verändern und Mutationen zu erzeugen, keine Science-Fiction mehr ist.“ (Achille Mbembe, Kritik der schwarzen Vernunft, 2018 [2017])

Donna Haraway

„Ich plädiere dafür, die Cyborg als eine Fiktion anzusehen, an der sich die Beschaffenheit unserer heutigen gesellschaftlichen und körperlichen Realität ablesen lässt. Sie sollte aber auch als eine imaginäre Ressource betrachtet werden, die uns einträgliche Verbindungen eröffnen kann. Die Biopolitik Foucaults ist nur eine schwache Vorahnung des viel weiteren Feldes der Cyborg-Politik.“ (Donna Haraway, Ein Manifest für Cyborgs, 1995 [1985])

 

Eröffnung  am Donnerstag 08. November, 19:30 Uhr  durch Heinrich Schellhorn, Landeshauptmannstellvertreter
Zur Ausstellung spricht Peter Husty, Chefkurator Salzburg Museum

Dauer der Ausstellung: 09. November bis 22. Dezember 2018

Veranstaltungen

Fr 09. November, 19:00 Uhr

Ohne Positiv (Halleiner Fassung), Performance

kozek hörlonski

Wurde 1818 Stille Nacht ursprünglich ohne Positiv gespielt und komponiert, weil ein solches schlichtweg nicht vorhanden war, so verfasste Franz Xaver Gruber am 12. Dezember 1836 eine Version mit Orgelbegleitung. Diese so genannte Halleiner Fassung spielte er von nun an jährlich am 24. Dezember. Thomas Hörl und Peter Kozek suchen in ihrer neuesten Performance nach dem verbliebenen Negativ und tragen wie einst die Schöpfer dieses weltberühmten Liedes die Performance zweistimmig vor.

 

„Ohne Positiv“ (Halleiner Fassung), moodboard, Bildrecht Wien, 2018

 

Sa 10. November, 11:00 Uhr

KünstlerInnengespräch mit Croissants & Kaffee

Bei Croissants & Kaffee gibt die Künstlerin Maria Peters im Gespräch mit Kerstin Klimmer-Ketter tiefere Einblicke in die Ausstellung „DER KLANG DER STERNE. Lost to regain – Episode 4. Die Geschichte der Maria Wolkonskaja“.

Maria Peters, Foto: Dr. Gunter Bakay

 

 

Ein Ausstellungsprojekt mit der Unterstützung der Stille Nacht 2018 GmbH

 

Die im Jahr 2015 begonnene Serie der Präsentation zeitgenössischer zeichnerischer/graphische Positionen soll auch für die nächsten Jahre als Strukturelement ins Ausstellungsprogramm des kunstraum pro arte übernommen werden. Beide Künstler verbindet sowohl Persönliches  als auch Künstlerisches mit Hallein; ihre Werke waren jedoch schon lange nicht mehr hier zu sehen.

Der Maler und Grafiker Thomas Nemec spiegelt in seinen Bildern das hemmungslose Durcheinander der Zeit. So titelte 2005 der Malmeser, Zeitschrift für Kunst und Kultur. Seither hat sich wenig geändert. Die Arbeiten sind immer noch ein Durcheinander. Zumindest auf den ersten Blick. Bei genauem Hinsehen lässt sich das vermeintliche Gewirr sehr gut aufdröseln und auf den Punkt bringen. Der Wiener Künstler beobachtet die gesellschaftspolitischen Ereignisse mit einem wachen Blick und durchaus kritisch. Nemec arbeitet gegen das etablierte System, gegen das Perfekte und gegen die Schönheit im Absoluten.
Im starken Kontrast dazu, die Arbeiten des Bildhauers Egon Straszer. “Natürlich”, “Selbstverständlich” mag man jetzt sagen, es handelt sich ja auch um Skulpturen und überhaupt, was macht ein Bildhauer in einer Zeichnungsausstellung? Ausgehend von der Linie bringt Egon Straszer den Strich vom Blatt in das Dreidimensionale. Aber nicht nur im Material stehen die Arbeiten von Egon Straszer im starken Gegensatz zu denen von Thomas Nemec auch formal unterscheiden sie sich. Die Objekte, vorwiegend aus Stein, sind klar, streng strukturiert, ohne Schnörksl und Wirrungen, ausdrücklich auf der Suche nach der perfekten Form.

Durch “Immer in Sicht” verbinden sich die Unterschiedlichkeiten im Blick des Betrachters und eröffnen den Zugang zu Fragen nach Definitionen von Begrifflichkeiten wie Schönheit, Perfektion, Form und vielleicht sogar Erhabenheit.

 

Eröffnung
Mittwoch 18. April 2018, 19:30 Uhr

Zur Ausstellung spricht
Martin Gredler, Leiter der Grafischen Werkstatt im Traklhaus

Veranstaltungen:

Fr. 18.05., 18:00 Uhr
Führung durch die Grafische Werkstatt im Traklhaus Salzburg
Beschränkte Teilnehmerzahl, Anmeldung erforderlich
Treffpunkt: Waagplatz 1A, 5020 Salzburg

Do 24.05., 18:00 Uhr
After Work
Kurzführung durch die Ausstellung

Dauer der Ausstellung: 19. April bis 26. Mai 2018

Den Auftakt zum Jubiläum „40 Jahre Tennengauer Kunstkreis“ gestaltet Peter Hartl mit einer Einzelausstellung.

Seine künstlerische Biografie ist eng verknüpft mit der Geschichte des Tennengauer Kunstkreises:Peter Hartl war Schüler von Bernhard Prähauser, der ihn als Lehrer für Bildhauerei in der Bundesfachschule für Holz- Stein- und Metallbearbeitung in Hallein bereits in Jugendjahren prägte und das Interesse am Kunstschaffen weckte. Nach der Fachschule entschied sich Hartl für eine Studium an der Akademie der bildenden Künste in München. Auch in dieser Zeit hielt er Kontakt mit Prähauser und konnte als junger Künstler im Atelier Prähausers am Molnarplatz 8 in Hallein arbeiten. Später übernahm er dessen Atelier, das auch der erste Standort der Galerie pro arte (heute kunstraum pro arte) war. 1989 übertrug Prof. Zenzmaier die Leitungsfunktion des Tennengauer Kunstkreises an Peter Hartl, bevor schließlich 1991 Helga Besl Obfrau wurde. Diese Ausstellung stellt somit die Verbindung zwischen der Geschichte des Tennengauer Kunstkreises und Gegenwart dar. Ebenso bildet sie den Auftakt zu einer ausgiebigen Veranstaltungsreihe rund um Rückblick und Ausblick.

Ausgangspunkt für Hartl ist die Betrachtung der Natur, die ihm als Vorbild und Basis für seine Arbeiten und sein Schaffen dient. Im Mittelpunkt seiner Arbeiten steht jedoch immer der Mensch bzw. das Menschenbild und dessen Veränderung im Laufe der Zeit. Wie kann der Künstler Menschenbilder durch seine Formensprache vermitteln? Und was bewirken diese bei den Betrachtenden? Hartl sucht nach visuellen Strukturen einer Sprache, die die Betrachtenden zu berühren vermag.

Fundstücke, die Geschichten erzählen. Hartl arbeitet mit Holz, Beton und Bronze sowie seit rund vier Jahren mit Gummi. Gummi ist heute ein omnipräsentes Material vom Gummiringerl bis zum Autoreifen. Das Material fasziniert den Künstler durch seine Alltäglichkeit sowie seine Beschaffenheit – die Elastizität. In einem Teil seiner Arbeiten greift der Künstler auf Fundstücke aus industriellen Fertigungsprozessen zurück: Strukturen von Schnittplatten aus der Steinindustrie; Formen von Gummiresten aus der Produktion von Autoreifen. Es sind Ausgangsmaterialien, die bereits Geschichten in sich tragen. Geschichten der Industrie, des Fertigungsprozesses, der Arbeit, des Materials. Die Strukturen im Material stehen sinnbildlich für die Gesellschaft. Hartl erzählt diese Geschichten auf einer Formebene weiter. Er ist Spurensucher  Übersetzer.

Mit dem Blick arbeiten. Die Ausstellung „:Jetzt wo ich dich sehe…“ lädt dazu ein die Beziehung zwischen BetrachterIn, künstlerischer Arbeit und gesellschaftlichen Kontexten zu reflektieren. Der Titel verweist auf das grundlegende Metier bildender Kunst, mit dem Blick und dem Sehen zu arbeiten. In der Ausstellung werden einige ältere Arbeiten gezeigt, die einen Rückblick und Gesamtblick auf das Schaffen Hartls ermöglichen sowie einige neue Arbeiten die erstmals gezeigt werden.

Eröffnung: Donnerstag, 11. April 2019, 19.30 Uhr durch den Bürgermeister der Stadt Hallein

Zur Ausstellung spricht Peter Husty, Chefkurator Salzburg Museum

Dauer der Ausstellung: 12. April bis 25. Mai 2019

Begleitend zum Medienkunstfestival Schmiede Hallein, stellt der Tennengauer Kunstkreis, nun schon seit mehreren Jahren, die Ausstellungsräume für Künstlerinnen und Künstler aus dem “SmithNetzwerk” zur Verfügung. Passend zum Thema No Plan wird Johannes Löberbauer (Giovi) in diesem Jahr einen Querschnitt aus seinem reichhaltigen Œuvre präsentieren. Auf den ersten Blick ohne Plan, aber bei genauem Hinsehen zeigt sich in den Arbeiten eine sehr genaue Beobachtung der Natur und ihrer Strukturen sowie eine durchdachte Anordnung dieser. Es entstehen Wechselspiele von Zerstörung und Erschaffung, immer in starkem Bezug zu den natürlichen Eigenheiten der Materialien.

Ausgehend von den Ansätzen der klassischen Malerei bearbeitet der Künstler seine Leinwände mit Gips und Chrom-Spraydosen und schafft dadurch starke Bewegungen und aufregende Ornamentmuster. Er hat keine Angst vor der leeren Leinwand, es ist ein exzessives experimentieren mit Materialien. Wie wirkt sich Zigarettenasche und Kaffeepulver auf die weiße Leinwand aus? Wie reagiert die Säure mit Acryl und Spachtelmasse und welche Farbverläufe entstehen daraus? Die Resultate kann man nicht Planen, sie sind Ergebnisse des Schaffensprozesses.

Andere Arbeiten spiegeln Erinnerungen des Künstlers wider und zeugen vom Verloren-Gehen und Wieder-Finden. Es sind Erinnerungen an Naturerlebnisse im Gebirge des Almtales. Hier geht es nicht um die Darstellung des Naturschönen im Sinne der Romantiker, hier geht es um das Gefühl. Das Gefühl, welches entsteht, wenn im Morgen der Nebel über die Berge hineinzieht und sich das Licht in den Baumwipfeln und Felsformationen bricht. Die konkreten, individuellen Formen lassen sich dabei nur erahnen. Vielmehr sind die Bilder mit Struktur bedeckt und übernehmen die Aufgabe zur Kontemplation anzuregen und mit dem Geiste nachzusinnen und zu versinken.  

Viele der Arbeiten heben sich durch das Auftragen von Spachtelmasse, Seidenpapier oder Fundstücken aus dem Zweidimensionalen heraus, man möchte sie fast angreifen und die Erhabenheiten erspüren. Das Erspüren ist eine gute Überleitung zu den Bildhauerarbeiten, die einen weiteren Schwerpunkt der Ausstellung bilden. Es zeigen sich organische Formen und glatte Oberflächen die sich harmonisch aneinander fügen, immer auf der Suche nach der perfekten Form. Große Objekte aus Holz gefertigt die an Lebewesen aus der Tiefsee erinnern, große Tropfen oder doch eine Keule? und ein Konglomerat an kleineren Objekten die an Nachbildungen von Artefakte aus längst vergangener Zeit erinnern. Neben dem Holz als Material interessiert den Künstler auch Speckstein. Völlig anders zu bearbeiten und hier folgen wir der Frage nach der Reproduzierbarkeit. Die Specksteinfiguren wurden mit dem 3-D-Scanner millimeter genau vermessen und anschließend mit dem 3-D-Drucker gedruckt. Somit unterscheiden sich die Figuren nicht in ihrer Form aber sehr wohl in ihrem Material. Aber welche Bedeutung hat das nun für die Kunstwerke und natürlich, was bedeutet das für den Kunstmarkt?

Die ebenfalls ausgestellten Skizzenbücher, mit denen eigentlich alles Begonnen hat, geben einen Einblick in die oft verborgene Prozesse, die hinter verschlossenen Türen im Atelier stattfinden. Sie können überall hin mitgenommen werden und eröffnen ein freies ungebundenen arbeiten, frei vom Atelier.

Damit schließt sich der Kreis und nur allzu ersichtlich, No Plan führt in die Irre. Was auf den ersten Blick so planlos wirkt, Giovi folgt einem genauen Konzept und ist fokussiert auf den Prozess.

 

Die einzelnen Arbeiten der Ausstellung können über  xibit  auch im Netzt besichtigt werden.

 

Eröffnung
Mittwoch 29. August 2018, 19:30 Uhr

Zur Ausstellung spricht
Kerstin Klimmer-Kettner, Leiterin kunstraum pro arte

Veranstaltungen

Montag 03. September, 19:15 Uhr
ArtistTalk

Dienstag 04. September, 18:00 Uhr
Führung durch die Schmiede18
Treffpunkt: Alte Saline, Pernerinsel

Dauer der Ausstellung: 30. August bis 06. Oktober 2018

 

 

Gretl Thuswaldner & Christine Uhlig

TANZ in der Fotografie und in der Malerei

Der Tanz – eine Kunstform für sich, die immer das menschlich Existenzielle in seiner wesentlich erotischen Bewegtheit thematisiert – wird in den Arbeiten der Malerin Christine Uhlig und der Fotografin Gretl Thuswaldner zum Gegenstand künstlerischer Auseinandersetzung. Die technischen Mittel der beiden Künstlerinnen können unterschiedlicher nicht sein, doch wird in beiderlei Werken die Wahrnehmung einer Bedrohung sichtbar, die sich als Beschränkung des Lebens- und des Bewegungsraums durch die Gesellschaft darstellt. Die zunehmende Einengung von außen und die fortschreitende Aushöhlung, die von innen her stattfindet, betreffen den Betrachter, der in metaphorischer Weise die Rolle des Tänzers einnimmt.

 

Eröffnung: Donnerstag 22. Februar 19:30 Uhr

 

Veranstaltungen:

Do 15.03., 19:00 Uhr, Tanzperformance von Matteo Haitzmann

anschließend Künstlergespräch

Sa 24.03., 11:00 Uhr, Künstlerinnenfrühstück

Gespräch mit den Künstlerinnen bei Kaffee & Croissants

 

 

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kunstraum pro arte · Schöndorferplatz 5 · A-5400 Hallein