Wenige Monate vor Ausbruch der Covid-19-Pandemie in Wuhan, hatte die Multimedia-Künstlerin Anny Wass Gelegenheit, sich ein Bild der chinesischen Gesellschaft zu machen.

Anny Wass war im Oktober 2019 zu Gast am Jigongshan Museum / International Art Park, das nur zwei Autostunden von Wuhan entfernt liegt. Während ihrer Residency setzte sich die Künstlerin mit stereotypen Bildern und ihren eigenen Vorstellungen von China sowie mit ihren Erwartungen auseinander und spürte diesen vor Ort nach. Daraus entstand die Fotoserie „me myself and I“, in der sich Eindrücke aus Architektur, Natur, Verhaltensregeln und sozialen Kontakten innerhalb und außerhalb der Residency verdichten und Fragen im Spannungsfeld zwischen Individualismus und Gemeinschaft sowie Wettbewerb und Solidarität verhandelt werden. Die Fotoserie, in der die Künstlerin sich selbst zum Bildmaterial macht und multiple Abbildungen ihrer selbst als Bildbausteine nutzt, ist Herzstück der Ausstellung. In diesen fotografischen Selbstinszenierungen wechselt die Künstlerin zwischen den Rollen als Objekt und Fotografin und dokumentiert den performativen Prozess.

Anny Wass, geboren 1983 in Hallein, hat ihr Diplom im Bereich Design und Skulptur, sowie im Bereich der Fotografie erhalten. Seit ihrem Abschluss im Jahr 2009 hat sie eine multidisziplinäre Praxis aufgebaut, die von Objekt und Malerei bis Design und Fotografie reicht und sich durch Materialuntersuchungen und Leidenschaft für Farbe und Detail auszeichnet. Wass erkundet gerne die Beziehungen, die wir zu Objekten in unserem alltäglichen Leben eingehen, und fragt, wie sie zu kulturellen Bedeutungsträgern werden. Sie interessiert sich für kritische Ansätze zur Erreichung von Nachhaltigkeit in einer von Produktion und Massenkonsum geprägten Gesellschaft. In ihrer Arbeit dreht sich alles um das Thema Konzentration und Bewusstsein. Durch Komponenten wie Größe, Farbe und grafische Elemente transportiert ihre Kunst sichtbar die Idee eines Bewusstseins für Material, Produktionsbedingungen, Gesellschaft und Umwelt.

Die Ausstellung zeigt eine Auswahl der Fotoserie „me myself and I“ aus Henan sowie einen Querschnitt aus Anny Wass‘ multimedialen Arbeiten zwischen Objekt und Design, Performance und Video.

 

Eröffnung:

Donnerstag, 16. Juli 2020 um 19:30 Uhr

Ausstellungsgespräch mit Anny Wass

 

Dazu gibt es Begleitveranstaltungen:

Samstag, 18. Juli 2020 um 11:00 Uhr
Die Künstlerin Anny Wass führt durch die Ausstellung.

Freitag, 28. August 2020 um 18:00 Uhr
Finissage & Künstlerinnengespräch

 

Dauer der Ausstellung: 17. Juli bis 28. August 2020

zu den Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 16 bis 19 und Samstag 10 bis 13 Uhr

Infos Coronavirus:
Es gelten die jeweils aktuellen, von der Bundesregierung vorgegebenen Maßnahmen zum Umgang mit dem Coronavirus. Wir registrieren alle BesucherInnen mit Namen und Kontaktdaten, diese Daten werden drei Wochen nach der Veranstaltung vernichtet. Es wird empfohlen, die Hände zu desinfizieren sowie eine Maske mitzunehmen, wenn die geltenden Abstandsregeln (Mindestabstand von 1 Meter) 
nicht eingehalten werden können. Es gilt eine generelle Personenobergrenze von maximal 100 Personen. Im Falle von Symptomen einer Atemwegserkrankung darf an den Veranstaltungen nicht teilgenommen werden.

Besucher_innen werden gebeten ihren eigenen Mund-Nasen-Schutz mitzubringen.

 

 

Bildnachweis: © Anny Wass, lotus, 2019

 

Wir freuen uns sehr, die erste Einzelausstellung von Heinrich Dunst in Salzburg und ganz besonders in Hallein ausrichten zu dürfen. Heinrich Dunst wurde in Hallein geboren und wuchs hier auf. Nach Jahren kehrt er nun mit seinen neuesten Arbeiten an diesen Ort zurück.

Heinrich Dunst arbeitet an der (Un-)Übersetzbarkeit eines Mediums in ein anderes. Seine trans-, inter- und intramedialen Übersetzungen rekurrieren auf den Kanon der Konzeptkunst, Konkreten Poesie, neodadaistischen Montage sowie auf einen erweiterten Skulptur-Begriff und eröffnen ein Verhandlungs- und Praxisfeld zwischen digitaler und analoger Welt. Die Infragestellung von Werk- und Medienformen sowie der sprechende und zeigende Körper nehmen eine wichtige Position ein. Seine Performances, Texte, Skulpturen sowie Filmprojektionen beziehen sich häufig aufeinander und situieren sich zwischen Sichtbarem und (Un-)Sagbarem. Für die Ausstellung „Boden/Boden/Boden“ im kunstraum pro arte in Hallein kehrt Heinrich Dunst an seinen Geburtsort zurück und hinterfragt mit neuen Arbeiten den Standort als einen Standpunkt, der in Raum und Zeit verortet ist: „Worauf steht der Betrachter, wenn er das Bild an der Wand ansieht? Er steht meist auf dem jeweiligen Boden. Auf einer dünnen Membran, des in die Tiefe hinunterreichenden Raums. Er steht. Mit seinen Schuhen auf einer dünnen Schicht Gegenwart. Auf der unmittelbaren Produktion von Gegenwart. Auf einer dünnen Schicht Isoliermaterials, die ihn von den dunklen Archiven der Vergangenheit trennt.“ – so Heinrich Dunst.

 

Eröffnung: Donnerstag, 24.Oktober 2019, 19:30
Zur Ausstellung spricht: Thorsten Sadowsky, Direktor Museum der Moderne Salzburg

Dauer der Ausstellung: 25.10.2019 bis 07.12.2019
zu den kunstraum-Öffnungszeiten  Mi – Fr 16 -19 Uhr und Sa 10 – 13 Uhr

Veranstaltungen (Eintritt frei):

Samstag, 7. Dezember 2019, 11 Uhr: Künstlergespräch mit Heinrich Dunst
Bei Croissants & Kaffee haben die Besucher_innen die Möglichkeit Näheres über die Zugänge und das Schaffen des Künstlers zu erfahren.

Bildnachweis: Einladungskarte, Grafik: Bartholomäus Traubeck

 

Den Auftakt zum Jubiläum „40 Jahre Tennengauer Kunstkreis“ gestaltet Peter Hartl mit einer Einzelausstellung.

Seine künstlerische Biografie ist eng verknüpft mit der Geschichte des Tennengauer Kunstkreises:Peter Hartl war Schüler von Bernhard Prähauser, der ihn als Lehrer für Bildhauerei in der Bundesfachschule für Holz- Stein- und Metallbearbeitung in Hallein bereits in Jugendjahren prägte und das Interesse am Kunstschaffen weckte. Nach der Fachschule entschied sich Hartl für eine Studium an der Akademie der bildenden Künste in München. Auch in dieser Zeit hielt er Kontakt mit Prähauser und konnte als junger Künstler im Atelier Prähausers am Molnarplatz 8 in Hallein arbeiten. Später übernahm er dessen Atelier, das auch der erste Standort der Galerie pro arte (heute kunstraum pro arte) war. 1989 übertrug Prof. Zenzmaier die Leitungsfunktion des Tennengauer Kunstkreises an Peter Hartl, bevor schließlich 1991 Helga Besl Obfrau wurde. Diese Ausstellung stellt somit die Verbindung zwischen der Geschichte des Tennengauer Kunstkreises und Gegenwart dar. Ebenso bildet sie den Auftakt zu einer ausgiebigen Veranstaltungsreihe rund um Rückblick und Ausblick.

Ausgangspunkt für Hartl ist die Betrachtung der Natur, die ihm als Vorbild und Basis für seine Arbeiten und sein Schaffen dient. Im Mittelpunkt seiner Arbeiten steht jedoch immer der Mensch bzw. das Menschenbild und dessen Veränderung im Laufe der Zeit. Wie kann der Künstler Menschenbilder durch seine Formensprache vermitteln? Und was bewirken diese bei den Betrachtenden? Hartl sucht nach visuellen Strukturen einer Sprache, die die Betrachtenden zu berühren vermag.

Fundstücke, die Geschichten erzählen. Hartl arbeitet mit Holz, Beton und Bronze sowie seit rund vier Jahren mit Gummi. Gummi ist heute ein omnipräsentes Material vom Gummiringerl bis zum Autoreifen. Das Material fasziniert den Künstler durch seine Alltäglichkeit sowie seine Beschaffenheit – die Elastizität. In einem Teil seiner Arbeiten greift der Künstler auf Fundstücke aus industriellen Fertigungsprozessen zurück: Strukturen von Schnittplatten aus der Steinindustrie; Formen von Gummiresten aus der Produktion von Autoreifen. Es sind Ausgangsmaterialien, die bereits Geschichten in sich tragen. Geschichten der Industrie, des Fertigungsprozesses, der Arbeit, des Materials. Die Strukturen im Material stehen sinnbildlich für die Gesellschaft. Hartl erzählt diese Geschichten auf einer Formebene weiter. Er ist Spurensucher  Übersetzer.

Mit dem Blick arbeiten. Die Ausstellung „:Jetzt wo ich dich sehe…“ lädt dazu ein die Beziehung zwischen BetrachterIn, künstlerischer Arbeit und gesellschaftlichen Kontexten zu reflektieren. Der Titel verweist auf das grundlegende Metier bildender Kunst, mit dem Blick und dem Sehen zu arbeiten. In der Ausstellung werden einige ältere Arbeiten gezeigt, die einen Rückblick und Gesamtblick auf das Schaffen Hartls ermöglichen sowie einige neue Arbeiten die erstmals gezeigt werden.

Eröffnung: Donnerstag, 11. April 2019, 19.30 Uhr durch den Bürgermeister der Stadt Hallein

Zur Ausstellung spricht Peter Husty, Chefkurator Salzburg Museum

Dauer der Ausstellung: 12. April bis 25. Mai 2019

Begleitend zum Medienkunstfestival Schmiede Hallein, stellt der Tennengauer Kunstkreis, nun schon seit mehreren Jahren, die Ausstellungsräume für Künstlerinnen und Künstler aus dem “SmithNetzwerk” zur Verfügung. Passend zum Thema No Plan wird Johannes Löberbauer (Giovi) in diesem Jahr einen Querschnitt aus seinem reichhaltigen Œuvre präsentieren. Auf den ersten Blick ohne Plan, aber bei genauem Hinsehen zeigt sich in den Arbeiten eine sehr genaue Beobachtung der Natur und ihrer Strukturen sowie eine durchdachte Anordnung dieser. Es entstehen Wechselspiele von Zerstörung und Erschaffung, immer in starkem Bezug zu den natürlichen Eigenheiten der Materialien.

Ausgehend von den Ansätzen der klassischen Malerei bearbeitet der Künstler seine Leinwände mit Gips und Chrom-Spraydosen und schafft dadurch starke Bewegungen und aufregende Ornamentmuster. Er hat keine Angst vor der leeren Leinwand, es ist ein exzessives experimentieren mit Materialien. Wie wirkt sich Zigarettenasche und Kaffeepulver auf die weiße Leinwand aus? Wie reagiert die Säure mit Acryl und Spachtelmasse und welche Farbverläufe entstehen daraus? Die Resultate kann man nicht Planen, sie sind Ergebnisse des Schaffensprozesses.

Andere Arbeiten spiegeln Erinnerungen des Künstlers wider und zeugen vom Verloren-Gehen und Wieder-Finden. Es sind Erinnerungen an Naturerlebnisse im Gebirge des Almtales. Hier geht es nicht um die Darstellung des Naturschönen im Sinne der Romantiker, hier geht es um das Gefühl. Das Gefühl, welches entsteht, wenn im Morgen der Nebel über die Berge hineinzieht und sich das Licht in den Baumwipfeln und Felsformationen bricht. Die konkreten, individuellen Formen lassen sich dabei nur erahnen. Vielmehr sind die Bilder mit Struktur bedeckt und übernehmen die Aufgabe zur Kontemplation anzuregen und mit dem Geiste nachzusinnen und zu versinken.  

Viele der Arbeiten heben sich durch das Auftragen von Spachtelmasse, Seidenpapier oder Fundstücken aus dem Zweidimensionalen heraus, man möchte sie fast angreifen und die Erhabenheiten erspüren. Das Erspüren ist eine gute Überleitung zu den Bildhauerarbeiten, die einen weiteren Schwerpunkt der Ausstellung bilden. Es zeigen sich organische Formen und glatte Oberflächen die sich harmonisch aneinander fügen, immer auf der Suche nach der perfekten Form. Große Objekte aus Holz gefertigt die an Lebewesen aus der Tiefsee erinnern, große Tropfen oder doch eine Keule? und ein Konglomerat an kleineren Objekten die an Nachbildungen von Artefakte aus längst vergangener Zeit erinnern. Neben dem Holz als Material interessiert den Künstler auch Speckstein. Völlig anders zu bearbeiten und hier folgen wir der Frage nach der Reproduzierbarkeit. Die Specksteinfiguren wurden mit dem 3-D-Scanner millimeter genau vermessen und anschließend mit dem 3-D-Drucker gedruckt. Somit unterscheiden sich die Figuren nicht in ihrer Form aber sehr wohl in ihrem Material. Aber welche Bedeutung hat das nun für die Kunstwerke und natürlich, was bedeutet das für den Kunstmarkt?

Die ebenfalls ausgestellten Skizzenbücher, mit denen eigentlich alles Begonnen hat, geben einen Einblick in die oft verborgene Prozesse, die hinter verschlossenen Türen im Atelier stattfinden. Sie können überall hin mitgenommen werden und eröffnen ein freies ungebundenen arbeiten, frei vom Atelier.

Damit schließt sich der Kreis und nur allzu ersichtlich, No Plan führt in die Irre. Was auf den ersten Blick so planlos wirkt, Giovi folgt einem genauen Konzept und ist fokussiert auf den Prozess.

 

Die einzelnen Arbeiten der Ausstellung können über  xibit  auch im Netzt besichtigt werden.

 

Eröffnung
Mittwoch 29. August 2018, 19:30 Uhr

Zur Ausstellung spricht
Kerstin Klimmer-Kettner, Leiterin kunstraum pro arte

Veranstaltungen

Montag 03. September, 19:15 Uhr
ArtistTalk

Dienstag 04. September, 18:00 Uhr
Führung durch die Schmiede18
Treffpunkt: Alte Saline, Pernerinsel

Dauer der Ausstellung: 30. August bis 06. Oktober 2018

 

 

Eine Ausstellung von Mitgliedern, Freundinnen und Freunden des Tennengauer Kunstkreises

Die Ausstellung „Lieblingsstücke – Objekte, die gefallen“ versammelt Skulpturen, Malerei, Grafiken, Fotografien, filmische Beiträge und Alltagsobjekte, von Freundinnen und Freunden sowie Mitgliedern des Tennengauer Kunstkreises. Was ein Lieblingsstück ist, entscheiden die Leihgeber_innen. Es entsteht ein buntes Sammelsurium an Lieblingsstücken, die das Herz erfreuen und neugierig machen mehr zu erfahren. In unruhigen Zeiten wie diesen, bringen Objekte, die jedem Einzelnen im Alltag Freude machen, vielleicht noch zusätzliche Freude und Geschichten zu den unbekannten Betrachterinnen und Betrachtern.

 

Stille Eröffnung:

Samstag, 30. Mai 2020, 10:00-14:00 Uhr

Aufgrund der COVID-Bestimmungen wird keine große Eröffnungsveranstaltung möglich sein. Es dürfen sich max. zehn Personen gleichzeitig in den Räumlichkeiten des kunstraum pro arte aufhalten. Besucher_innen werden gebeten ihren eigenen Mund-Nasen-Schutz mitzubringen.

 

Dauer der Ausstellung: 30. Mai bis 27. Juni 2020 (Die Ausstellung wird bis Sa, 4. Juli 2020 verlängert!)
zu den Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 16 bis 19 und Samstag 10 bis 13 Uhr

Eröffnungsveranstaltung des MedienKulturFestivals „Schmiede19: besser“

Begleitend zum Medienkunstfestival Schmiede Hallein, stellt der Tennengauer Kunstkreis, nun schon seit mehreren Jahren, die Ausstellungsräume für Künstler und Künstlerinnen aus diesem Netzwerk zur Verfügung. Heuer zeigen wir die Abenteuer von gold extra aus den letzten zwanzig Jahren:

Wir schreiben das Jahr 2219. Was ging vor sich im frühen 21. Jahrhundert? Ein erfahrenes Team von Zukunftsarchäolog*innen rekonstruierte für den kunstraum pro arte die 20-Jahre Jubiläumsausstellung der Künstler*innengruppe gold extra. Entdecken Sie mit uns längst vergessene Kulturtechniken wie Interaktivität und Tastaturen. Zu sehen sind Werke in verschiedenen Medien und Genres, darunter die Überreste von Automaten, Filmen, Robotern, Virtual Reality-Städtetrips und dokumentarischen Gameminiaturen über den Krieg. Erforschen Sie mit uns rätselhafte Artefakte, die einen Einblick in den Stand von Gesellschaft, Technologie und Medien des frühen 21. Jahrhunderts bieten.

Achtung diese Ausstellung enthält Plastik und traditionelle Computer. Hinweis: Kann Spuren von Coltan und Nüssen enthalten.

gold extra, in Salzburg und Wien beheimatet, arbeitet als KünstlerInnengruppe an den Schnittstellen von Gesellschaft, Medien und Technologien. www.goldextra.com

 

Eröffnung: Mittwoch 11. September, 19:00 Uhr
Zur Ausstellung spricht eine international anerkannte Koryphäe der Medienkunstarchäologie.

Finissage: Samstag, 12. Oktober 2019 um 11 Uhr
Vortrag von gold extra und Führung durch die Ausstellung

Dauer der Ausstellung: 12. September bis 12. Oktober
zu den kunstraum-Öffnungszeiten Mo – Mi 16 -19 und Sa 10 – 13 Uhr

Bildnachweis: gold extra

knautschen (ugs. und landsch. für) „zusammendrücken, quetschen, knittern; schmatzend essen; leise weinen“: Das seit dem 18. Jh. bezeugte Verb ist die verhochdeutschte Form von knutschen. (DUDEN, 2001, S. 418)

knutschen: Das Verb das seit dem Anfang des 20. Jh.s ugs. im Sinne von „heftig liebkosen, liebend und küssend an sich drücken“ gebräuchlich ist, bedeutete früher „[zusammen]drücken, pressen, quetschen“, beachte z.B. mitteld. (13.Jh.) zuknutschen „zerdrücken“, mhd. knutzen „drücken, quetschen“, oberd. (um 1500) knütschen „drücken“.  (DUDEN, 2001, S. 424)

verspielt… knautschig… zerknautscht… knAUTSCH!

Was ist eine Knautschzone? Ein Kissen zwischen mir und der Welt? Ein technisch konstruierter Zwischenraum, um Sicherheit zu gewährleisten? Ein Zwischenraum, um mit Widersprüchen und Ambivalenzen umzugehen? Die im Jahr 2015 begonnene Serie der Präsentation zeitgenössischer zeichnerischer/graphischer Positionen soll auch für die nächsten Jahre als Strukturelement ins Ausstellungsprogramm des kunstraum pro arte übernommen werden. Unter dem Titel KNAUTSCHZONE geben die beiden Künstlerinnen Judith Auer und Doris Moser Einblicke in ihre je individuellen Verständnisse des Knautschigen und zugleich bildet die Ausstellung eine Kontaktzone zwischen ihren Arbeiten und eröffnet neue Blickwinkel auf das Zusammenspiel von , Form und Materialität.

Die in Hallein geborene Künstlerin und Illustratorin Judith Auer zeigt u.a. während und nach ihrem Studium für Bilderbuchillustration in Italien, Macerata, entstandene Arbeiten. Sie beinhalten eine Reihe von großflächigen Zeichnungen ihres ersten Bilderbuchs „The Fox and the Crow“ für den Verlag Helbling, das im Frühjahr 2019 in englischer Sprache erscheinen wird. Darüber hinaus werden Einblicke in den Entstehungsprozess dieser illustrierten Erzählung, einer alten griechischen Fabel, gegeben. Bei weiteren Bildern der Ausstellung handelt es sich zum Teil um Auftragsarbeiten für Verlage und Magazine sowie um freie Arbeiten, in denen sich Judith Auer u.a. mit den Themen Sexualität, Liebe und Lust befasst. Die Künstlerin verwendet für ihre Bilder eine schlichte, grafische Formensprache sowie eine intensive Farbskala. Sie arbeitet sowohl mit Farb- und Bleistiften, als auch mit Aquarell- und Drucktechniken.

Die Südtiroler Künstlerin Doris Moser studierte an der Universität Mozarteum Salzburg Malerei und Textiles Gestalten und befasst sich in ihren Arbeiten mit Themen wie Kindheit, Frau-Sein und Körperlichkeit. Ihre großformatigen Malereien zeichnen sich vor allem durch Vielseitigkeit, Sinnlichkeit sowie eine auffällige Farbigkeit aus. Ihren Zugang für die Ausstellung KNAUTSCHZONE beschreibt sie wie folgt: „Bauschig, buschig, faltig, flauschig, fleischig, gatschig, glitschig, kitschig, rutschig, wuschig, KNAUTSCHIG… Meine Malerei umkreist das wohlige Gefühl einer knautschigen Erfahrung. Mit meinem Handy in der Hand beobachte ich knautschige Zonen am Körper und halte diese fotografisch fest. Die dabei entstandenen Nahaufnahmen übersetze ich anschließend in eine von grafischen Elementen und auffälliger Farbigkeit geprägte Malerei. Der Körper wird zur irrealen Landschaft, durch die sich die Betrachtenden tasten können.“

Die Arbeiten beider Künstlerinnen verbindet ein verspielter Zugang, der die Besucher*in dazu einlädt, die Knautschzone als physischen und mentalen Zwischenraum zu erkunden und sich selbst mit den je eigenen knautschigen und zerknautschten Zonen des Fühlens, des Denkens und des Handelns zu befassen.

 

Dauer der Ausstellung: 22. Februar bis 30. März 2019

 

Dazu gibt es einige Begleitveranstaltungen:

Donnerstag, 21. Februar 2019, 19:30 Uhr
Zur Ausstellung spricht Ingrid Schreyer, Lehrende für Malerei an der Universität Mozarteum

Sonntag, 24. Februar 2019, 10:00 bis 16:00 Uhr

Workshop Pop-Up-Karten: Für Erwachsene und Jugendliche – Kursinhalt: In diesem Workshop unter der Leitung von Judith Auer werden bunte Collagen durch selbst bedruckte Papiere gestaltet. Durch ein experimentelles Zusammenfügen der entstandenen Farbflächen ergeben sich figurative bis hin zu abstrakten Kompositionen, aus denen aufklappbare Grußkarten – so genannte „Pop-Up-Karten“ – und kleine Kunstwerke hergestellt werden. – Zielgruppe: Alle die Freude am eigenen künstlerischen Gestalten haben! Es sind keine Vorkenntnisse erforderlich. – Unkostenbeitrag: 35 € inklusive Material, kostenfrei für Mitglieder TKK (max.10 Teilnehmer*innen)
Anmeldung: office@kunstraumproarte.com

Samstag, 30. März 2019, 11:00 Uhr

Finissage mit Künstlerinnengespräch: Bei Croissants & Kaffee geben die Künstlerinnen Judith Auer und Doris Moser tiefere Einblicke in die gemeinsame Ausstellung „KNAUTSCHZONE“.

 

 

Bernhard Lochmann und Stefan Kreiger zeigen in der Ausstellung PICTOCLUSTER vor allem Arbeiten aus den Bereichen Zeichnung und Collage. Ausdrucksweisen, in denen beide Künstler in den vergangenen Jahren intensiv tätig waren, zu eigenen Formensprachen gefunden haben und die hier als Schnittstellen fungieren in der Zusammenstellung als szenischer Dialog. Die Künstler bedienen sich an den herkömmlichen wie auch absurden „Bildausstoßungen“ unserer Mediengesellschaft und werden bei verschiedenen Quellen fündig. Begleitet von der Erzählung, der Verdichtung und einem generell sehr spielerischen Zugang zeigen sich hier mehr Gemeinsamkeiten als auf den ersten Blick zu sehen sind. Die Lust, mit der hier dokumentiert, umgeformt, rekombiniert, hinterfragt, neu generiert und persifliert wird, ist ansteckend.

Eröffnung:

Donnerstag, 20. Februar 2020, 19:30 Uhr

Zur Ausstellung spricht Tina Teufel, Kuratorin Museum der Moderne Salzburg

Dauer der Ausstellung: 21. Februar bis 28. März 2020

 

Veranstaltung (Eintritt frei):

Samstag, 28. März, 11 Uhr

Künstlergespräch: Bernhard Lochmann und Stefan Kreiger

 

Bildnachweis:
PICTOCLUSTER“, Stefan Kreiger und Bernhard Lochmann, 2019

 

kuratiert von Korinna Lindinger

Von 5. Juli bis 24. August zeigt der kunstraum pro arte Arbeiten der feministischen Pionierin Margot Pilz aus den Jahren 1978 bis 2018

Die Kunst von Margot Pilz konfrontiert. Sie lotet die Konstruktion der (eigenen) Identität aus, entblößt emotionale Konfliktlinien und bricht mit gesellschaftlichen Rahmen – manchmal in tragischer, dann wieder in ermutigender Weise. Margot Pilz ist eine Pionierin feministischer Fotografie, der Performancekunst und der Medienkunst in Österreich. Aufgewachsen in den Niederlanden und Indonesien, absolvierte sie ihre Ausbildung zur Fotografin in Wien. Ihre künstlerischen Arbeiten finden seit über 40 Jahren national und international große Beachtung. Die feministischen, ökologischen und gesellschaftskritischen Themen sind heute aktueller denn je. Es ist eine besondere Freude und Ehre im 40. Jubiläumsjahr des Tennengauer Kunstkreises Auszüge des Oeuvres zeigen zu können.

Die Ausstellung „Margot Pilz – Spirits of Contradiction“ wird am 4. Juli 2019 um 19:30 Uhr eröffnet. Sie ist von 5. Juli bis 24. August im kunstraum pro arte zu sehen. Am 17. August um 11 Uhr bietet ein Artist Talk Gelegenheit mit Margot Pilz selbst ins Gespräch zu kommen. Am 23. August ist ergänzend zur Ausstellung der Film Sie ist der andere Blick von Christiana Perschon im Rahmen einer Sondervorstellung in der Stadtbücherei zu sehen. Im Frühjahr 2019 wurde dieser mit dem Preis der Diagonale für die Beste Kamera ausgezeichnet. Er portraitiert fünf Künstlerinnen der feministischen Avantgarde in Österreich in ihrem künstlerischen Schaffen, unter ihnen Margot Pilz. Die Filmemacherin Christiana Perschon wird anwesend sein und über ihren zeitgenössischen Blick auf richtungsweisende feministische Kunstpositionen sprechen.

Richtungsweisend war und ist für Margot Pilz in ihrer künstlerischen Arbeit oft das eigene Erleben. Die Arbeit Sekundenskulpturen (1978) zeigt die Künstlerin in hockender, nachdenklicher und in sich gekehrter Pose. Ein wichtiges Bildelement ist eine Leinenjacke. Diese Jacke trug Margot Pilz als sie auf dem Weg zu einem Frauenfest mit patriarchaler Gewalt konfrontiert wurde. Einige der Frauen standen vorbeigehenden Männern im Weg, es folgten abwertende Kommentare. Margot Pilz traute sich eine Widerrede, wurde hierfür angezeigt und gewaltsam abgeführt. Das Erlebnis hat Spuren hinterlassen – auf dem Körper der Künstlerin, auf ihrer Jacke und in ihrem Bewusstsein für die Alltäglichkeit von Ungerechtigkeit. Erfahrungen wie diese politisierten die Künstlerin.

Sie ist aktives Mitglied der 1977 gegründeten „internationalen Aktionsgemeinschaft bildender Künstlerinnen – INTAKT“. Die Gruppe formierte sich im Widerstand zur herrschenden Kulturpolitik, die Frauen strukturell benachteiligt und diskriminiert. Ausgangspunkt der solidarischen Interessensvertretung war eine Ausstellung die 1975 – im Jahr der Frau – erstmals Gegenwartskunst österreichischer Künstlerinnen zeigen sollte, jedoch ausschließlich von Männern kuratiert wurde. Der Widerspruch der Künstlerinnen gegen dieses wurde ignoriert, 46 Kunstschaffende sagten daraufhin ihre Teilnahme an der Ausstellung ab. Selbstermächtigend eröffnete INTAKT im Gegenzug eine eigene Galerie, um die Arbeit von Künstlerinnen zu zeigen und zu positionieren. Sichtbarkeit und Öffentlichkeit, für die Kunstproduktion von Künstlerinnen und feministische Themen, zu schaffen war und ist bis heute eine wichtige Agenda. 2019 vertritt mit Renate Bertlmann ein Mitglied von INTAKT Österreich bei der 57. Biennale in Venedig. 1978 veröffentlichte INTAKT ein Femifest. Als feministische Interpretation eines Manifestes, postulieren sie u.a.: „In der Kunst schlägt sich nieder, was in der Realität erlebt wird.“

Die Realität in Margot Pilz’ Werken ist eindringlich, sie ist mutig, sie ist fesselnd, sie ist beklemmend und sie ist vielschichtig. Die Projektionsfläche dieser Auseinandersetzung mit Spannung, Sichtbarkeit, Dominanz ist häufig der Körper der Künstlerin selbst. Dies gilt für frühe und aktuelle Werke. Die Arbeit Überwachung (1984) aus der Werkserie Die Weisse Zelle (1983-1985) zeigt die Künstlerin sogar mehrfach: In Schwarz-Weiß beobachtet sie sich selbst aus zwei Monitoren in der Mitte des Bildes. Im blauen Overall positioniert sie sich in Farbe zu diesem (sich selbst) kontrollierenden Blick. Dabei bleibt die Person im Vordergrund oft unscharf. Bestimmt hält sie ihren Blick hingegen in My wild life (2018) auf die Betrachterin oder den Betrachter gerichtet. Das Gesicht weiß bemalt, die Augen schwarz betont.

Die hier gezeigte Ausstellung Spirits of Contradiction legt den Schwerpunkt auf das fotografische Schaffen der Künstlerin. 1976 legt sie an der Höheren Grafischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien ihre Meisterprüfung in Fotografie ab. Die technischen Möglichkeiten des Mediums reizt Margot Pilz in ihrem künstlerischen Schaffen aus, so schreibt Kristian Sotriffer 1985 über sie:

„Unter den sich mit Photographie als künstlerischem Ausdrucksmittel beschäftigenden Persönlichkeiten zählt Margot Pilz zu den vielseitigsten und konsequentesten. Ihr Stil unterscheidet sie erkennbar von dem ihrer Kollegen durch seine Strenge, ja Konstruktivität, in die sich Poesie und ein Hang zu symbolträchtigen Metamorphosen einmischt. Gleichzeitig erscheint er von technischer Brillanz und Experimentierfreude geprägt.“ (Kristian Sotriffer, 1985)

Unschärfen, Belichtungsexperimente und klare Bildkompositionen verwendet Pilz um emotionale und gesellschaftliche Verhältnisse ins Bild zu setzen. Viele ihrer Arbeiten entstehen in Serien und enthalten so ein performatives Element, welches die Künstlerin in ihren Videoarbeiten, Medieninstallationen und Performances ausbaut. Für die Festwochen 1982 erschafft Margot Pilz einen Strand mitten in Wien. Mehrere Lastwägen Sand, eine Palme, eine Hochzeit, ein großer Wal und sein Gesang setzen eine Utopie in die Innenstadt. Kaorle am Karlsplatz (1982) setzt lustvoll Verhaltensregeln außer Kraft. Es sind gesellschaftskritische und ökologische Themen die Künstlerin antreiben. Jan Tabor erinnert sich Jahrzehnte später Jahrzehnte in denen Margot Pilz’ Konzept vielfach aufgegriffen und kommerzialisiert wurde, zuletzt wurde sogar der Litauische Beitrag auf der 58. Kunstbiennale in Venedig für die Umnutzung eines Raumes als Strand mit dem goldenen Löwen ausgezeichnet:

„ich war zwanzig Jahre lang kunstkritiker, hatte unmengen von kunstwerken gesehen und über hunderte geschrieben ich kann mich an viele kunstwerke erinnern, an viele – wohl die meisten – nicht mehr. An kaorle am karlsplatz erinnere ich mich besonders gut… es war ein ausnahmsweises kunststück, voll humor, voll poesie, doppeldeutig (mindestens), mit gesellschaftskritischen anspielungen, verspielt, surreal, subversiv, einladend, zugänglich im wahrsten sinne des wortes.“ (Jan Tabor)

1981 fotografiert Margot Pilz in der Eduscho Fabrik. – Dies inspiriert sie zur Installation Arbeiterinnenaltar (1981). Sie beobachtet, fotografiert und stellt Fragen. Denn ihr fällt auf: der soziale Alltag, das Selbstverständnis und die Bezahlung der Arbeiterinnen und der Arbeiter unterscheiden sich deutlich. Margot Pilz eckt an, ihre Fragen verunsichern die Belegschaft, ihre Arbeit ist solidarisch mit den ausgeblendeten Lebensrealitäten. Das gilt auch für ihr bestechend konsequentes und bestärkend radikales Werk.

Weblink: www.margotpilz.at

Dauer der Ausstellung: 5. Juli bis 24. August

Begleitveranstaltungen:

Donnerstag, 4. Juli, 19:30 Uhr
Eröffnung der Ausstellung durch Eva Veichtlbauer, Leiterin der Abt. für Kultur, Bildung und Gesellschaft/Land Salzburg.
Zur Ausstellung spricht Korinna Lindinger, Künstlerin und Soziologin

Sa, 17. August 2019, 11 Uhr
Künstlerinnengespräch mit Margot Pilz
Das Gespräch mit Künstlerin Margot Pilz und Kuratorin Korinna Lindinger führt Laila Huber, Leiterin des kunstraum pro arte. Bei Croissants & Kaffee haben die Besucher*innen die Möglichkeit, Näheres über die Zugänge und das Schaffen der Künstlerin zu erfahren.

Freitag, 23. August 2019 19:00 Uhr, Stadtbücherei Hallein
Filmscreening „Sie ist der andere Blick“, A 2018, 88min. – Ein Film von Christiana Perschon.

Bildnachweis des Beitragsbilds (r.):Margot Pilz, Die Weisse Zelle − Überwachung #11, 1984

DER KLANG DER STERNE

Lost to regain – Episode 4

Das Leben der Maria Wolkonskaja

Wie hören sich die Sterne an?

Kann der Klang der Sterne erspürt werden?

Der poetische Titel der Ausstellung von Maria Peters legt eine Fährte in das vielschichtige Universum, das die Künstlerin in ihrem mehrjährigen Projektzyklus Lost to regain entfaltet, in dem sie Fragen nach dem Menschsein und der Überschreitung des Menschseins durch die Verbindung mit Maschinen sowie den Gefahren einer technischen Optimierung des Menschen nachgeht.

Die Hauptprotagonistin der vielschichtigen Erzählung ist Maria Peters‘ Alter Ego Marie/Nachfolgerin 08 – sie kann auf Grund eines Zaubers nicht nur in die Vergangenheit, sondern auch in die Zukunft der Menschheit blicken, in der genetisch optimierte Menschen den Ton angeben. Marie/Nachfolgerin 08 ist die Schnittstelle durch welche das Publikum in die Erzählung eintreten kann.

Marie/Nachfolgerin 08: „Auf einer Wanderung durch Ost-Deutschland im Sommer 2016 geriet ich in eine Zeitanomalie, dabei sah ich die Vergangenheit und die Zukunft von meinem damaligen Standort aus. Der Zeitraum den ich sah, reichte vom 19. Jahrhundert bis ins Jahr 3968. Meine Vision zeigte mir die Lebensgeschichten von 24 Frauenfiguren, die über diesen Zeitraum nacheinander lebten und deren Schicksale zudem miteinander verwoben sind. (…) Ich selbst bin Marie/Nachfolgerin 08 und habe beschlossen, die Lebensgeschichten all dieser Figuren für die Nachwelt niederzuschreiben. Denn was ich in der Zukunft sah, war erschreckend. Doch die Zukunft läuft nicht einfach ab. Die Möglichkeiten sind zwar durch die Vergangenheit bereits geprägt, aber doch es liegt an uns, für welche der Möglichkeitslinien wir heute die Weichen stellen.“

Der Zyklus Lost to regain wird in Episoden (ähnlich einem Fortsetzungsroman oder einer TV-Serie) erzählt. In der Ausstellung im kunstraum pro arte wird diesmal die Lebensgeschichte der Maria Wolkonskaja, der zentralen Protagonistin dieses Zyklus, inszeniert:

Im 19. Jahrhundert erhielt Maria Wolkonskaja, die ihrem Mann nach Sibirien in die Verbannung gefolgt war, von einem Schamanen der Nomaden einen besonderen Zauber. Durch diesen sollte sie bei ihrem Tod in einer nächsten Person weiterleben können und derart also unsterblich werden. Bei ihrem Ableben jedoch stellte sich heraus, dass nicht sie in ihrer Nachfolgerin weiterlebte, sondern nur ihre Erinnerungen wurden vererbt. Dieser Zauber, einmal in Gang gesetzt, ist nie mehr zu stoppen. Alle weiteren Protagonistinnen der Geschichte sind somit Nachfolgerinnen von Maria Wolkonskaja. Die geerbten Erinnerungen wachsen demnach mit jeder neuen Übertragung an, sie überlagern sich mit der jeweiligen Gegenwart der Nachfolgerinnen.

Die Erzählung der Wolkonskaja und ihrer besonderen Beziehung zum Lied „Stille Nacht“ wird im kunstraum pro arte in Form von Bildern, Grafiken, Videoarbeiten und Wandtexten erzählt und durch Kommentare von weiteren Protagonist_innen der Erzählung aus dem Jahr 3676 ergänzt:

Lieke/Nachfolgerin 22 – die bereits mit den vielen ihr inzwischen vererbten Erinnerungen und Gegenständen ringt.

Gemeinschaft – ein Geheimbund, der seit den 1930iger Jahren versucht, die eigenen Eugenik- und Klonexperimente mit Hilfe der Nachfolgerinnen und ihrem Zauber zu verbessern.

Netzwerk – eine künstliche Intelligenz, geschaffen in unserer Gegenwart zur Erhöhung unserer Bequemlichkeit und zur Verbesserung des Lebens insgesamt.“

Das Projekt Lost to regain lässt dabei auch an Warnungen anklingen die unter anderem von Stephen Hawking oder auch Achille Mbembe jüngst ähnlich formuliert wurden, aber es öffnet ebenso einen Denkraum in Richtung utopischer Cyborgs, wie diese unter anderem von Donna Haraway in ihrem Cyborg Manifest bereits Mitte der 80er-Jahre imaginiert wurden.

Stephen Hawking

„Aber einige Forscher werden der Versuchung nicht widerstehen können, die menschlichen Fähigkeiten zu verbessern, etwa das Gedächtnis, die Krankheitsresistenz und die Lebenserwartung. Sobald die ersten Musterexemplare dieser ‚Übermenschen‘ auftauchen, wird es erhebliche politische Probleme mit den Menschen geben, die nicht verändert und nicht verbessert sind und folglich nicht mehr konkurrenzfähig sein werden. Sie werden vermutlich aussterben oder zur Bedeutungslosigkeit verurteilt sein. Ein Geschlecht von Lebewesen wird den Ton angeben, das sich selbst designt und sich in immer rascherem Tempo optimiert.“  (Stephen Hawking, Kurze Antworten auf große Fragen, 2018)

Achille Mbembe

„Es ist auch keineswegs ausgeschlossen, dass man an einen Punkt gelangt, an dem man der Medizin nicht mehr nur die Rolle zuweist, den von Krankheit zerrütteten Organismus zu einem Normalzustand zurückzuführen, sondern auf der Grundlage molekularbiologischer Techniken das Leben selbst nach rassischen Kriterien umzugestalten. Rasse und Rassismus haben also nicht nur eine Vergangenheit. Sie haben auch eine Zukunft, vor allem innerhalb eines Kontextes, in dem die Möglichkeit, Lebewesen zu verändern und Mutationen zu erzeugen, keine Science-Fiction mehr ist.“ (Achille Mbembe, Kritik der schwarzen Vernunft, 2018 [2017])

Donna Haraway

„Ich plädiere dafür, die Cyborg als eine Fiktion anzusehen, an der sich die Beschaffenheit unserer heutigen gesellschaftlichen und körperlichen Realität ablesen lässt. Sie sollte aber auch als eine imaginäre Ressource betrachtet werden, die uns einträgliche Verbindungen eröffnen kann. Die Biopolitik Foucaults ist nur eine schwache Vorahnung des viel weiteren Feldes der Cyborg-Politik.“ (Donna Haraway, Ein Manifest für Cyborgs, 1995 [1985])

 

Eröffnung  am Donnerstag 08. November, 19:30 Uhr  durch Heinrich Schellhorn, Landeshauptmannstellvertreter
Zur Ausstellung spricht Peter Husty, Chefkurator Salzburg Museum

Dauer der Ausstellung: 09. November bis 22. Dezember 2018

Veranstaltungen

Fr 09. November, 19:00 Uhr

Ohne Positiv (Halleiner Fassung), Performance

kozek hörlonski

Wurde 1818 Stille Nacht ursprünglich ohne Positiv gespielt und komponiert, weil ein solches schlichtweg nicht vorhanden war, so verfasste Franz Xaver Gruber am 12. Dezember 1836 eine Version mit Orgelbegleitung. Diese so genannte Halleiner Fassung spielte er von nun an jährlich am 24. Dezember. Thomas Hörl und Peter Kozek suchen in ihrer neuesten Performance nach dem verbliebenen Negativ und tragen wie einst die Schöpfer dieses weltberühmten Liedes die Performance zweistimmig vor.

 

„Ohne Positiv“ (Halleiner Fassung), moodboard, Bildrecht Wien, 2018

 

Sa 10. November, 11:00 Uhr

KünstlerInnengespräch mit Croissants & Kaffee

Bei Croissants & Kaffee gibt die Künstlerin Maria Peters im Gespräch mit Kerstin Klimmer-Ketter tiefere Einblicke in die Ausstellung „DER KLANG DER STERNE. Lost to regain – Episode 4. Die Geschichte der Maria Wolkonskaja“.

Maria Peters, Foto: Dr. Gunter Bakay

 

 

Ein Ausstellungsprojekt mit der Unterstützung der Stille Nacht 2018 GmbH

 

  • 1
  • 2
  • 7

kunstraum pro arte · Schöndorferplatz 5 · A-5400 Hallein